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Bierhoff warnt vor «Kapitäns-Gerangel» im DFB-Team

München Oliver Bierhoff verspürt bei der deutschen Fußball-Nationalmannschaft und ihren Fans wachsende Sehnsucht nach einem Titelgewinn.

«Man wird von zweiten oder dritten Plätzen nicht satt», sagte der DFB-Teammanager in einem Interview der Nachrichtenagentur dpa.

Nach dem knappen Scheitern bei den WM-Turnieren 2006 und 2010 (jeweils Dritter) sowie der EM-Endrunde 2008 (Niederlage im Finale) sei «eine Ungeduld da, einen Titel zu holen. Gerade mit dieser jungen Mannschaft, die so viel Mut gemacht hat und in der so viel Qualität steckt.»

Ob Michael Ballack die viel gelobte «Boy Group» um Jungstars wie Mesut Özil und Thomas Müller nochmals als Kapitän zur EM-Endrunde 2012 führen wird, ist eine der spannendsten Fragen, die sich schon 2011 klären könnte. Bierhoff glaubt an ein Comeback des 34-Jährigen und warnt zugleich vor internen Machtkämpfen. «Es wird im Miteinander auch wichtig sein, zu zeigen, dass es nicht um ein Kapitäns-Gerangel geht», sagte Bierhoff zum Kampf um die Spielführerbinde zwischen Amtsinhaber Ballack und dessen derzeitigem Vertreter Philipp Lahm.

«Aufgrund seiner Persönlichkeit und seines Namens wird es bei Michael Ballack aber immer wieder Diskussionen geben, ob er Kapitän ist oder nicht», prophezeite Bierhoff: «Er steht immer im Fokus.» Seinen ehemaligen Mitspieler Ballack betrachtet der einstige DFB- Kapitän «auf gar kein Fall» als Verlierer des Jahres. «Er hatte enormes Pech», meinte der Manager angesichts der zwei schweren Verletzungen des Bundesliga-Rückkehrers. Bierhoff erwartet, dass sich der 98-malige Nationalspieler 2011 «wieder herankämpfen» wird und zumindest noch die 100 Länderspiele vollmachen wird: «Davon bin ich überzeugt!»

Für Ballack dürfte es jedoch schwer werden, seinen Stammplatz zurückzuerobern. «Im defensiven Mittelfeld haben Schweinsteiger und Khedira gespielt, teilweise auch Toni Kroos. Auch Simon Rolfes kommt zurück, der zudem ein Konkurrent in Leverkusen ist», verdeutlichte Bierhoff. Der Konkurrenzkampf sei leistungsmäßig «für alle von Vorteil», müsse aber «zum Wohl des Teams kanalisiert werden».

Denn die Geschlossenheit der verjüngten Mannschaft betrachtet Bierhoff als eine besondere Errungenschaft im WM-Jahr. Bierhoff lobte ihr Auftreten «als eine Einheit, die Freude vermittelt, attraktiven Fußball spielt, für Integration und ein Miteinander steht».

Wie wichtig Zusammenhalt ist, hat der Manager am eigenen Leib verspürt. Die zu Jahresbeginn gescheiterte Vertragsverlängerung mit dem DFB berührte auch das Binnenverhältnis zwischen Löw, Co-Trainer Hans-Dieter Flick, Torwart-Coach Andreas Köpke und ihm. «Unsere Geschlossenheit, die nie zuvor auf so eine Probe gestellt wurde, war eine schöne Erfahrung und Bestätigung», hob der Manager hervor.

Die gemeinsame Vertragsverlängerung bis zur Europameisterschaft 2012 entsprang der «Überzeugung, dass wir als Team zusammengehören und füreinander einstehen». Ein Bündnis für immer müsse es aber nicht sein. «Es wird nicht immer nur den Trainer Joachim Löw mit dem Manager Oliver Bierhoff geben und umgekehrt», erklärte Bierhoff.

Seit der WM beschränkt sich der 42-Jährige ganz auf seine Aufgaben als Manager des A-Teams. Aus den Zwistigkeiten zwischen Löw und Sportdirektor Matthias Sammer um die U 21-Auswahl hält sich Bierhoff dagegen heraus: «Da wurde ich oft als Schwarzer Peter vorgeschoben, weil sich in sportlichen Entscheidungen auf anderen Ebenen nicht geeinigt werden konnte. Ich konzentriere mich auf die Arbeit mit der Nationalmannschaft - und die läuft außerordentlich gut.»

dpa-infocom


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