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«Mitten im Sturm»: Tukur als als Lagerarzt

Hamburg Authentische Filmgeschichten haben meist schon an sich etwas Dramatisches, Berührendes.

So auch «Mitten im Sturm» über die russische Universitätsprofessorin Eugenia Ginzburg Ende der 30er Jahre.

Fast zehn Jahr überlebt sie den Wahnsinn stalinistischer Willkür zuerst in Freiheit, dann in einem Gulag im Osten Sibiriens. Nur ihre Liebe zur russischen Literatur und dann zum Lagerarzt machen ihr das Überleben möglich. Dabei meint es die Regisseurin Marleen Gorris ein bisschen zu gut mit der ehrenhaften, starken Intellektuellen und dem Menschenfreund Dr. Walter.

Eugenia Ginzburg (Emily Watson) führt als Professorin und Mitglied der kommunistischen Partei mit ihrer Familie in Kasan, der heutigen Hauptstadt der autonomen russischen Republik Tatarstan, ein privilegiertes Leben. Doch Mitte der 30er Jahre verändert sich die Welt im stalinistischen Russland. Ginzburg sieht sich absurden Anschuldigungen ausgesetzt, wird schließlich verhaftet und im Gefängnis einem ausgeklügelten Psycho-Terror unterworfen, bis sie schließlich zu zehn Jahren Zwangsarbeit verurteilt wird.

Das unerträgliche Leben im ostsibirischen Gulag versucht sie sich und ihren Mitgefangenen mit dem Rezitieren russischer Gedichte zu erleichtern. Doch als sie vom Tod ihres Sohnes erfährt, verlässt sie ihr letzter Lebensmut. Erst die anfänglich zögerliche Liebe zu dem Lagerarzt Anton Walter (Ulrich Tukur) gibt ihr wider aller Vernunft neue Hoffnung. Denn Walter lebt uneigennützige Menschlichkeit und widmet sich den Gefangenen mit gleicher Aufmerksamkeit und Zuwendung wie den Schergen des stalinistischen Systems.

Marleen Gorris («Mrs Dalloway», «Antonias Welt») und ihre Hauptdarstellerin Emily Watson zeichnen die Entwicklung Eugenias von der arroganten Frau zur ausgemergelten Gefangenen durchaus eindrücklich nach. Der Zuschauer meint die Kälte Sibiriens, den Schmutz des Lagers und die Verzweiflung der Menschen geradezu zu spüren. Doch irgendwie scheint alles ein wenig zu dick aufgetragen, zu bildhaft. Etwa wie Eugenia immer wieder und fast aus heiterem Himmel Gedichte rezitiert, untermalt von dramatischer Musik.

Gewohnt souverän und voll des Edelmuts mimt Ulrich Tukur den Lagerarzt, der nicht etwa zum stalinistischen System gehört, sondern selbst dort als Häftling arbeitet. Doch im Gegensatz zu den Schlafstätten der Arbeiterinnen ist seine Krankenstation sauber und hell, sein Leben, in das Eugenia als seine Assistentin eintritt, fast kultiviert. Die Verwandlung der dreckigen, kranken Arbeiterin zur adretten Krankenschwester ist dann doch ein wenig zu augenscheinlich.

Natürlich berührt diese wahre Geschichte, führt dem Zuschauer einmal mehr die Grausamkeiten des vergangenen Jahrhunderts vor Augen, und doch hätte es etwas weniger opernhafte Inszenierung, theatralische Dramatik getan. So aber kommt diese europäische Produktion einem verkitschen Hollywood-Verfilmung nur allzu nah.

Seite des Films Von Britta Schmeis, dpa

dpa-infocom