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«Morgentau»: Magisches Werk über Äthiopien

Berlin «Morgentau» ist der Film der Stunde: Während arabische Revolutionen und damit verbundene politische Konflikte derzeit die Welt bewegen, kommt mit dem Film von Haile Gerima ein Drama in die Kinos, das die Komplexität und Ambivalenz von Reform und Widerstand bemerkenswert thematisiert.

Im Zentrum steht die politische Geschichte Äthiopiens von den 1970er- bis 90er Jahren, die nun zwar länger zurückliegt, aber durchaus als Reflexionsmodell für heutige Entwicklungen in Nordafrika gelten kann.

Der in den USA lebende äthiopische Regisseur Gerima (Jahrgang 1946) erzählt in «Morgentau» die Geschichte von Anberber, der aus Deutschland in sein Heimatland zurückkehrt und es nicht mehr wiedererkennt. Regierungstruppen rekrutieren Jugendliche für den Krieg. Wer sich versteckt, wird geschlagen oder sogar gleich getötet. Anberber selbst, der in Deutschland Medizin studiert hat und in den 70er Jahren zu den politisch aktiven Intellektuellen gehörte, wird mit einem Land konfrontiert, das zwischen progressiven Idealen und repressiven Machtverteilungen stecken geblieben ist.

Gerima erzählt dabei eigene Erlebnisse, die aber nicht nur auf sein Land beschränkt sind, sondern Afrika im Allgemeinen in den Blick nehmen. «Die Geschichte, die Kultur und das sozialökonomische Wohlbefinden aller Leute afrikanischer Herkunft ist mein primäres Anliegen», sagt der Regisseur. Gerima schafft dies in einer ganz eigenen Filmsprache, die sich zwischen dokumentarischem und magischem Stil bewegt, zu vermitteln.

Am Anfang erscheint «Morgentau» schleppend und fremd. Dann aber entwickelt sich mit zunehmender Gewöhnung an das mythische Erzählen eine Spannung, die die Komplexität der Geschichte bemerkenswert transportiert, nicht zuletzt auch durch eine herausragende Bildästhetik. Gerimas Film thematisiert dabei wie auch zunehmend andere Filme des afrikanischen Kinos die eigene Verantwortung und Komplexität in der Geschichte des Landes. Das Schicksal der Äthiopier im eigenen Land, aber auch das jener, die nach Deutschland emigrierten und auf rassistische Angriffe vor allem in Ostdeutschland trafen, lässt einen dabei nicht unberührt.

Seite des Films Von Susanne Schmetkamp, dpa

dpa-infocom