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«Senna»: Zwist, Zweikämpfe, Zerrissenheit

Berlin «Es war pures Fahren, echter Rennsport. Und das macht mich glücklich.» Mehr wollte der Formel-1-Pilot Ayrton Senna eigentlich gar nicht.

Doch sein Leben endete wegen seiner Leidenschaft - und der Brasilianer wurde erst recht zur Legende.

Geliebt von seinen Fans, abgöttisch verehrt von seinen Landsleuten, mehr als respektiert von seinen Rivalen: Im Dokumentarfilm «Senna - Genie. Draufgänger. Legende» zeigt Regisseur Asif Kapadia das Rennsport-Leben eines Mannes, der in der Formel 1 lernen musste, dass es nicht nur um pures Fahren, um echtes Racing geht. Und das machte den begnadeten Brasilianer bisweilen unglücklich - die Bilder sprechen eine klare Sprache.

Man sieht einen Mann, der weint, weil Kollegen verunglückt sind. Man sieht einen Mann, der kompromisslos auf der Strecke ist. Man sieht einen Mann, der nach dem Gewinn des WM-Titels mit seiner Familie auf einer Jacht innere Zufriedenheit ausstrahlt. Man sieht einen Mann, der Stunden vor seinem Tod am 1. Mai 1994 beim Großen Preis von San Marino in Imola aufgewühlt wirkt.

«Möge Gott ihn vor allem beschützen», sagt seine Mutter zu Beginn des Films, der Sennas einzigartige Rennsportkarriere in 104 Minuten beschreibt. Es sind Originalaufnahmen, dazu neue, bislang ungesehene Bilder. Sennas größte Erfolge, die WM-Titel 1988, 1990 und 1991. Der Film zeigt aber auch den harten Kampf, den er mit seinem damaligen McLaren-Teamkollegen Alain Prost führte. Der Franzose machte keinen Hehl daraus, dass er Senna notfalls auch von der Strecke befördern würde. Es war offen zur Schau getragene Abneigung, die Folgen hatte.

Das Duell prägt den Film maßgeblich. Prost, der im Weltverbands- Präsidenten Jean-Marie Balestre einen hilfsbereiten Landsmann hat, und Senna geraten immer wieder aneinander. 1989 in Japan kollidieren die Autos der beiden, nachdem Prost beim Überholversuch Sennas in die Schikane einbog.

Der Brasilianer musste das Rennen gewinnen, um seine WM-Chance zu wahren. Und er tat genau das, allerdings wurde er nachträglich bestraft: 100 000 Dollar und ein halbes Jahr Lizenzentzug auf Bewährung. Der eigene Teamkollege ist immer der erste Gegner - kein Formel-1-Pilot würde dem auch heutzutage widersprechen.

Welche Kälte zwischen Senna und Prost herrschte, machen die Filmaufnahmen immer wieder deutlich. Es sind auch Passagen aus Fahrermeetings, in denen Sennas sensible Seite deutlich wird. Er wollte doch immer nur «pures Fahren», so wie bei seinem ersten Sieg im eigenen Land. 1991 bejubelten die Fans in Interlagos den Erfolg des Frauenschwarms aus Sao Paulo.

Wie sehr Senna aber auch knallharter Pilot war, gegen die Konkurrenz und sich selbst, bewies eben dieses Rennen. Wegen eines Getriebeschadens konnte er die letzten sieben Runden nur im sechsten Gang fahren. Die körperliche Anstrengung forderte ihren Tribut: Noch im Auto nach der Zieldurchfahrt wurde Senna ohnmächtig.

Immer wieder begleiten brasilianische Rhythmen die rasanten Aufnahmen. Das Brüllen der Motoren ist ungefiltert, während der Film die Karriere des Brasilianers bis zum tragischen Tod dokumentiert. Es ist das schlimmste Wochenende, das die Formel 1 je erlebte. Zuerst verunglückt Sennas Landsmann Rubens Barrichello an jenem Freitag schwer, dann stirbt der Österreicher Roland Ratzenberger nach einem Unfall am Samstag.

Senna, der mittlerweile bei Williams fährt und mit der Balance des neuen Wagens schwer zu kämpfen hat, wirkt vor dem Start des Großen Preis von San Marino in sich gekehrt. Seinem Kumpel, Rennarzt Sid Watkins, hatte er am Tag zuvor noch gesagt: «Sid, ich kann nicht aufhören.» Im Rennen verunglückte Senna dann am 1. Mai 1994 tödlich. Doch der Film endet nicht mit Tod, der in Brasilien zu dreitägiger Staatstrauer führte. Er endet so wie er beginnt. Mit Sennas ersten Rennen in Europa. Mit seinem Wunsch, nach echtem Rennsport.

Seite des Films Von Jens Marx, dpa

dpa-infocom