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Mel Gibson: Comeback mit Biber-Puppe?

Los Angeles Grotesker hätte die Rolle nicht sein können: In der Drama-Komödie «Der Biber» spielt Mel Gibson einen depressiven Familienvater, der eine Biber-Handpuppe zu seinem Alter Ego macht und für sich sprechen lässt.

Unter der Regie und an der Seite von Jodie Foster, mit der er befreundet ist, mimt er einen gebrochenen Sonderling, der mit dem Leben nicht mehr zurecht kommt. Ein Fall von «Kunst ahmt das Leben nach?», fragen sich US-Filmkritiker. Könnte dieser seltsame Auftritt Gibsons Comeback sein?

Es ist eine gänzlich unglamouröse Rolle für den einst «Sexiest Man Alive», der als «Mad Max» Muskeln zeigte, in «Was Frauen wollen» lässig verführte und in «Braveheart» zum Kampf blies. Ausgerechnet als einsamer Lebensmüder in «Der Biber» zeige sich Gibson nun von seiner starken Seite, so die durchweg positive Resonanz der US-Kritiker.

«Ein Hochseilakt von höchstem Kaliber», schreibt das Fachblatt «Rolling Stone». «Mel Gibson sieht schrecklich aus, das ist als Kompliment gemeint», lobt «Entertainment Weekly» den uneitlen Auftritt. Der am Wochenende in den USA angelaufene Film wird bei den Filmfestspielen in Cannes außer Konkurrenz gezeigt. In Deutschland ist er ab 19. Mai in den Kinos.

Lobende Worte kann Gibson nach einem Jahr mit unrühmlichen Schlagzeilen gut gebrauchen. Im vorigen Herbst wurde der gefallene Hollywood-Star vom Set der Komödienfortsetzung «Hangover 2» gefeuert. Gibson habe nicht «die volle Unterstützung» der Besetzung und Crew gehabt, so begründete Regisseur Todd Phillips den Rauswurf. Zuvor war der für Herbst geplante «Biber»-Start auf 2011 verschoben worden. Auslöser war Gibsons wirres Privatleben mit verbalen und handgreiflichen Ausfällen.

Zwischen Gibson und seiner Ex-Freundin, der russischen Sängerin Oksana Grigorieva, war es im Januar 2010 zu einem heftigen Streit gekommen. Die Polizei leitete Ermittlungen wegen häuslicher Gewalt ein. Mehrere Tonaufzeichnungen von lautstarken Telefonaten mit üblen Beschimpfungen zirkulierten durchs Internet. Der Zoff dreht sich vor allem um das Sorgerecht für die gemeinsame Tochter Lucia (17 Monate).

Im März räumte Gibson vor Gericht eine Teilschuld ein, ansonsten wäre es möglicherweise zu einem langwierigen Prozess gekommen. Dies wollte er seiner Kinder wegen vermeiden, erklärte Gibsons Anwältin. Zur Strafe muss der zweifache Oscar-Preisträger an Kursen für Täter von häuslicher Gewalt teilnehmen. Aus seiner 2009 geschiedenen Ehe mit der Australierin Robyn Moore hat er sechs Söhne und eine Tochter.

Schon einmal wurde Gibsons Karriere von einem Skandal gebremst. 2006 fuhr er sturzbetrunken Auto und pöbelte bei der nächtlichen Festnahme einen Polizisten an. Er beleidigte den Cop als «Drecksjuden» und verfiel in eine rassistische Schimpftirade. Nach seiner Entlassung aus der Ausnüchterungszelle entschuldigte sich Gibson, Dinge gesagt zu haben, «die ich nicht für wahr halte und die verabscheuungswürdig sind». Er bekannte sich schuldig, kam um eine Haftstrafe herum, ging auf Entzug und hielt sich an die richterlichen Auflagen. 2009 wurde das Delikt «Alkohol am Steuer» aus seiner Polizeiakte gelöscht.

Mancher in Hollywood spekulierte damals, der Ruf von «Mad Mel» - dem wahnsinnigen Mel - sei ruiniert, die Karriere vorbei. Doch schon Ende des Skandaljahres meldete sich Gibson als Regisseur mit dem Leinwandgemetzel «Apocalypto» zurück. Seine blutige Version vom Untergang einer Maya-Kultur spielte weltweit immerhin 120 Millionen Dollar ein. 2010 schlug er in dem Thriller «Auftrag Rache» als Polizist zu, der den Tod seiner Tochter rächt. Der Film war kein großer Kassenhit, aber Gibson konnte seine Tauglichkeit als Actionstar erneut unter Beweis stellen.

Im vorigen Monat sagte Gibson in einem Interview mit dem Filmportal «Deadline.com», dass der Tonband-Skandal mit den heftigen Streitgesprächen für ihn und seine Familie «schrecklich beschämend und schmerzhaft» war. Dies könnte seiner Karriere nicht wieder gutzumachenden Schaden zugefügt haben, räumte er ein. «Es macht mir aber nichts aus, wenn ich nicht mehr als Schauspieler arbeiten würde», versicherte Gibson. Er sei inzwischen wählerisch geworden. «Ab jetzt werde ich nur noch Dinge tun, wenn ich es wirklich will und wenn sie Spaß machen».

deadline.com Von Barbara Munker, dpa

dpa-infocom