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«Polnische Ostern»: Tragikomödie mit Henry Hübchen

Berlin Selten hat Henry Hübchen («Alles auf Zucker!») betrübter dreingeschaut als in dieser Komödie über deutsch-polnische Befindlichkeiten und Klischees.

Viel zu lachen gibt es ja auch nicht für den schon leicht betagten Bäckermeister Werner Grabosch: Nicht nur, dass er seine Tochter durch einen Unfall verloren hat, nein, jetzt soll ihm auch noch seine Enkelin, die kleine Mathilda, genommen werden. Jakob Ziemnicki - er stammt aus Danzig, wuchs in Deutschland auf - hat die Komödie in Szene gesetzt. Mit seinem deutsch-polnischen Darsteller-Ensemble untersucht er das komische Potenzial all der Vorurteile, die so kursieren zwischen den Nachbarländern Deutschland und Polen.

Nach dem Tod seiner Tochter trifft das Jugendamt eine für Grabosch völlig unverständliche Entscheidung. Ausgerechnet in Polen soll Mathilda, die geliebte Enkelin, aufwachsen: bei Tadeusz, dem, so empfindet Grabosch das, nichtsnutzigen polnischen Vater. Vom Nachbarland hält der engstirnige Bäcker ohnehin recht wenig. Also ersinnt er einen Plan. Während eines Überraschungsbesuchs bei der polnischen Verwandtschaft will er zu Ostern Beweise sammeln für die Gefährdung des armen Kindes, Tadeusz soll das Sorgerecht verlieren!

Mit trister Trainingsjacke, graufarbigem Mercedes, derangierter Frisur und traurigem Blick fügt sich Hübchen ganz wunderbar in die Rolle des ergrauten Griesgrams. Ohne damit an seinen legendären Part in «Alles auf Zucker!» heranzureichen. An Hübchens Seite spielt ein famoses Ensemble aus polnischen Darstellern. Darunter auch Grazyna Szapolowska, Grande Dame des polnischen Kinos. Die Sequenzen, in denen sich Hübchen und Szapolowska (sie gibt die resolute Großmutter) allmählich näher kommen, gehören denn auch zu den charmantesten.

Rührend ebenfalls der Umgang zwischen Grabosch und seiner Enkelin, dargestellt von Paraschiva Dragus (sie war schon in Michael Hanekes «Das weiße Band» zu sehen). Etwa wenn sich beide darüber austauschen, ob es ein Leben nach dem Tod gibt oder nicht. Für Grabosch, überzeugter Atheist, ist das ganz simpel: «Wenn man tot ist, ist man tot». Die aufgeweckte Mathilda macht es sich da nicht so einfach.

Die kaum überraschende, etwas vorhersehbare Story gehört zu den schwächeren Seiten einer sympathischen Komödie, bei der man sich wünscht, sie würde sukzessive an Fahrt gewinnen, weniger mit gängigen Stereotypen (die Polen und ihr vermeintlicher Hang zum Autodiebstahl) hantieren und den Figuren stattdessen noch ein Stückchen mehr an Entwicklung zugestehen. Regisseur Ziemnicki aber gelingt der nicht eben leichte Balanceakt zwischen Tragödie und Komödie: weder, dass «Polnische Ostern» gen Klamauk tendiert, noch, dass man auf die Tränendrüse drückt.

Seite des Films Von Matthias von Viereck, dpa

dpa-infocom