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«Geliebtes Leben»: Gefühlvolles Aids-Drama

Berlin Der Fußball-WM, Touristenströmen und dem Ende der Apartheid zum Trotz: Südafrika scheint vielen Europäern nicht nur der vielen tausend Kilometern Entfernung wegen fern.

Da sind die Krawalle der Schwarzen in den Townships, die hohe Kriminalität und die noch immer vorherrschende Macht der Weißen. Doch das Südafrika der Schwarzen ist auch anders. Oliver Schmitz, als Sohn deutscher Einwanderer in Südafrika geboren und inzwischen in Berlin lebend, erzählt in «Geliebtes Leben» eine Geschichte, die in jedem Land spielen könnte.

Die zwölfjährige Chanda lebt in einer ländlichen Gegend ein einfaches, aber sorgloses Leben. Die Gemeinschaft funktioniert, sie geht regelmäßig zur Schule, die ihr Spaß macht und blickt optimistisch in die Zukunft. Da stirbt plötzlich ihre gerade mal einjährige Schwester unter mysteriösen Umständen, ihr Stiefvater verschwindet spurlos und dann leidet auch noch ihre Mutter an einer seltsamen Krankheit, die sie zusehends schwächt. Und die Gemeinschaft hüllt sich in Schweigen, meidet das Mädchen und seine Familie.

Nun muss Chanda Verantwortung für ihre beiden jüngeren Geschwister übernehmen. Nur die neugierige Nachbarin Mrs. Tata (Harriet Manamela) kümmert sich um Chanda, allerdings mehr als der lieb ist. Auch ihre Freundin, die als Gelegenheitsprostituierte arbeitet, steht ihr bei, doch das sieht die Gemeinschaft ebenfalls nicht gern. Und dann widersetzt sich Chanda auch noch den Ritualen eines Wunderheilers und sucht stattdessen eine Ärztin für ihre Mutter. Sie ist es außerdem, die wagt, das Wort Aids auszusprechen.

Oliver Schmitz erzählt gefühlvoll und ohne die üblichen Stereotype von Armut und Hunger diese Geschichte, in der es um Würde, Verantwortung, das soziale Gefüge und eine sehr besondere Mutter-Tochter-Beziehung geht. Er bringt dem Zuschauer Menschen nahe, die mit alltäglichen Problemen klarkommen müssen. «Diese Geschichte könnte überall spielen, ob mit oder ohne Aids», sagt dann auch der 51 Jahre alte Regisseur, der bisher als Filmemacher der ARD-Serie «Türkisch für Anfänger» und den Episodenfilm «Paris je t'aime» von sich reden machte.

Der Roman «Worüber man nicht spricht» von Allan Stratton diente Schmitz als Vorlage. «Ich habe darin das Potenzial gesehen, einen emotionalen Zugang zu dem Land und den Menschen zu bekommen», sagte er im vergangenen Jahr bei den Filmfestspielen in Cannes der Nachrichtenagentur dpa. Das sei von größerem Wert als jede Studie. «Man kann sich einfach in so eine Familie verlieben.»

Schmitz drehte an Originalschauplätzen, bediente sich der etwa 100 Jahre alten Pedi-Sprache und arbeitete überwiegend mit Laiendarstellern, wie der 1996 in Südafrika geborenen Khomotso Manyaka. Sie spielt die tapfere Heldin Chanda ohne Pathos dafür mit viel Willensstärke, auch wenn man mitunter doch etwas erstaunt ist, was dieses zwölfjährige Mädchen alles bewältigen soll und auch bewältigt. Ganz bewusst habe er ihr Alter von 16 wie in der Romanvorlage auf 12 herabgesetzt. «Mit 16 gibt es keine Unschuld mehr. Mir aber war es wichtig zu zeigen, dass Chanda am Anfang überhaupt nicht versteht, was um sie herum passiert.»

Natürlich lässt Schmitz auch etwas südafrikanische Folklore einfließen und zeigt die atemberaubende Landschaft dieses Landes, doch das geschieht niemals zum Selbstzweck. Vielmehr eröffnet er auch damit dem Zuschauer einen Blick in ein für viele noch so fremdes Land und zeigt ein vielschichtiges, buntes, lebendiges Südafrika, das in vielen Dingen dem Leben in Europa gar nicht so fremd ist.

Seite des Films Von Britta Schmeis, dpa

dpa-infocom