pic Zählpixel
kalaydo leftkalaydo logo
RZ-Blog  |  Twitter  Mobil&RSS  |  Kontakt
suchen im
Lexikon
RZ-Online-Archiv
Zeitungs-Archiv
Internet
< Schnell-Navigation >
KinoWelt VideoWelt FotoWelt MeineWelt

Abgehalftert: Rennpferd-Film «Secretariat»

Berlin Da ist wohl mit Disney der Gaul durchgegangen. Das Trabrenn-Drama «Secretariat» über einen Ausnahmehengst und seine couragierte Besitzerin ist in weiten Teilen unausgegoren und pathetisch. Erstaunlich, dass sich die Stars Diane Lane und John Malkovich dafür hergeben.

Amerika liebt seine Biopics. Denn in biografischen Kinogeschichten mit wahrem Hintergrund werden nationale Helden zum Leben erweckt. Auch Produzenten setzen große Stücke auf dieses Genre. Sie hoffen, dass die Charaktere auf der Leinwand vom Ruhm der historischen Titelfiguren profitieren. Schließlich genießen diese den Status einer Legende: Johnny Cash im Musiker-Porträt «Walk the Line». Howard Hughes im Flieger-Epos «Aviator». Und jetzt «Secretariat» über ein Pferd? Auch der Film über den Superhengst und die Ranch-Lady Penny Chenery hält sich an dieses Rezept. Aber ohne Erfolg.

Zu Beginn folgt man der Geschichte noch gern. Die Heldin wagt einen großen Sprung: Raus aus ihrer Rolle als angepasste Gattin und Mutter, hinein in ein aufregendes Leben als durchsetzungskräftige Rennstallbesitzerin. Und der Hengst Secretariat wurde mit der für Disney üblichen, fantastischen Bildqualität in Szene gesetzt. Doch der Reiz von Pferde-Silhouetten im romantischen Gegenlicht ist schnell erschöpft. Der überlange Film hält den Erwartungen, die er mit seinem Auftakt schürt, keine zwanzig Minuten lang stand.

Denn wie sehr sich die heroische Hausfrau Penny Chenery und ihr Pferd auch abhetzen, um auf der Rennbahn wie im Herzen der Zuschauer den Sieg zu erringen - die Charaktere wirken bald ziemlich abgehalftert. Daran können bei so viel schmalzigem Mythos auch ausgezeichnete Schauspieler wie Diane Lane und John Malkovich nichts ändern.

Vor allem beim charismatischen Malkovich mag sich manch ein Fan wundern, warum er diese Rolle angenommen haben mag. Denn trotz überaus greller Kostüme - von der pinkfarbenen Golf-Klamotte bis zu fast augenschädlich gemusterten Hüten - bleibt seine Figur als frankokanadischer Pferdetrainer Lucien Laurin fast farblos, seine Komik eher unfreiwillig.

Das Problem: Das Drehbuch geht offenbar mit einem höchst dokumentarischen Anspruch ins Rennen und will gleichzeitig auch noch ein Kinoerlebnis für die ganze Familie schaffen. Dabei verhungert das Sportdrama auf halber Strecke. Denn die Geschichte bedient keine klare Zielgruppe. Junge Zuschauer bleiben oft außen vor. Die Geschäftswelt der Erwachsenen geht über ihre Köpfe hinweg; außerdem kommt der Spaßfaktor für sie zu kurz. Die vorhersehbaren Konflikte wirken zudem so konstruiert, dass sie wiederum für ältere Zuschauer uninteressant werden. Zudem sind sie streckenweise mit einem unerträglichen Maß an moralischem Pathos durchtränkt.

Weder die bebenden Nüstern der Rosse noch das hohe Tempo auf der Rennbahn regen da noch das Publikum dazu an, mit den Helden mitzufiebern. Zumal in deutschen Kinos, wo der Hengst und seine Besitzerin nicht den amerikanischen Berühmtheitsbonus haben. Nicht mal ausgesprochene Pferdenarren werden diesen Film überstehen, ohne einmal kräftig gegähnt zu haben.

Filmseite Von Franziska Bossy, dpa

dpa-infocom