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Mel Gibson in obskurem Licht: «Biber»

Berlin Auf Mel Gibson ist nicht jeder Kinogänger gut zu sprechen.

Sorgt doch der 55-jährige Hollywood-Macho zuletzt vor allem privat immer wieder für Negativ-Schlagzeilen.

Antisemitische Pöbeleien oder eine Bewährungsstrafe wegen Gewalt gegenüber Ex-Freundin Oksana Grigorieva (41) sind dafür nur zwei Beispiele. Nun ist der preisgekrönte Darsteller und zweifach Oscar-prämierte «Braveheart»-Regisseur zurück auf der Leinwand - und erscheint trotz überzeugenden Spiels einmal mehr in obskurem Licht.

In Jodie Fosters Familiendrama «Der Biber» gibt Gibson einen psychisch Kranken, der sich mit Hilfe einer Tier-Handpuppe selbst therapiert. Bei allem ungewöhnlichen, ernsthaften Ansatz geriet Fosters dritte Regiearbeit - die erste seit 16 Jahren - allerdings nur pseudo-tiefschürfend. In den Vereinigten Staaten, wo Kritiker den Film gemischt bis positiv aufgenommen hatten, gilt das Werk als Box-Office-Flop.

Den schrägen Plot ersann Drehbuchautor Kyle Killen: Als «toter Mann» treibt der depressive Walter Black (Gibson) im Pool seines Vorort-Anwesens. Der Erbe einer Spielzeugfabrik ist am Ende, von seiner Frau (Foster) und den beiden Söhnen hat er sich entfremdet. Da findet der Selbstmordkandidat in einer Mülltonne eine Biber-Handpuppe, die für ihn zu sprechen beginnt. Schon bald verleiht ihm das unansehnliche Plüschwesen mit den Riesenzähnen neuen Elan. «Wach auf», ruft der Biber - und die Erfolge in Firma und Familie lassen nicht auf sich warten. Bis das Biest destruktiv zu wirken beginnt.

Regisseurin und Hauptdarstellerin Foster erklärte dazu: «Im Grunde, trotz aller seltsamen Drehungen und Wendungen, ist "Der Biber" ein Familiendrama, die Geschichte eines Vaters und eines Sohnes, die wieder zusammenfinden.» Die als intellektuelle Feministin bekannte Foster (49) soll es auch gewesen sein, die den Kontakt zu Gibson herstellte und ihm somit eine Chance gab. Warum ausgerechnet Gibson? «Er bringt ein Leben voller Schmerz, über das wir nun seit Jahren diskutieren, in seine Rolle ein», verteidigte die mehrfache Oscars-Gewinnerin ihre Wahl im «Hollywood Reporter».

Mit gereiftem, verwitterten Gesicht und intensiver Präsenz schafft es Gibson tatsächlich, die Seelenqualen eines Mannes in der Krise beeindruckend und ohne Peinlichkeit zu gestalten. Trotzdem funktioniert der Film insgesamt nicht. Denn Foster bemüht sich einerseits um eine streng naturalistische Tonart - so wie sie selbst in ihrer Rolle als sorgenvolle Ehefrau und Mutter agiert. Alle Orte, Räume und Kostüme - vom deutschen Kameramann Hagen Bogdanski («Das Leben der Anderen») dicht herangeholt - und viele Dialoge scheinen direkt dem Alltag entnommen zu sein. Dabei wirken sie ebenso stereotyp und eindimensional wie der Konflikt der Hauptperson mit dem 17-jährigen Sohn Porter: Der leidet unter seinem «Loser»-Vater und tut vergeblich alles, um nicht zu werden wie er.

Befremdlich tut sich andererseits eine Symbolebene auf, in der die Zähne fletschende Biber-Puppe, eine amputierte Hand, wilde Bilder und wüste Zettel sowie ein Sohn, der mit seinem Kopf die hölzerne Elternhauswand durchschlägt, wie Versatzstücke aus einem Psychologiehandbuch erscheinen. Da kann auch ein alter «Braveheart» nicht viel retten.

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dpa-infocom