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Rumba im Rollstuhl: Der Film «Benda Bilili!»

Berlin Sie singen sich die Seele aus dem Leib. Singen in Rollstühlen und auf Krücken. Spielen auf Dosenbüchsen und Trommeln.

Die Bandmitglieder sind fast alle behindert und obdachlos, sie alle eint ein Traum: Mit ihrer Musik auszubrechen aus dem Elend von Kongo und in Europa berühmt zu werden.

Der Dokumentarfilm «Benda Bilili!» über eine Gruppe von Straßenmusikern namens Staff Benda Bilili, die Entstehung ihrer ersten CD und ihre Auftritte in Europa, ist eine unglaublich rührende und schöne Geschichte.

Staff Benda Bilili - das sind vor allem alte, an Polio erkrankte Männer und ein Junge. Ricky ist so etwas wie der Vater der Band, und wenn er nicht gerade über seine Krücken flucht, dann kümmert er sich um sein Ziehkind Roger. Der 13-Jährige spielt das wohl erstaunlichste Instrument von allen: Eine selbst gebaute Blechbüchsen-Gitarre mit einer Saite, die helle und schnelle Töne erklingen lässt.

Alles beginnt auf der Wiese vor dem Zoo in Kinshasa. Hier probt die Band regelmäßig. Auf umgebauten Fahrrädern und Motorrädern kommen die behinderten alten Männer angefahren, spielen auf ihren improvisierten Instrumenten und singen. Für einen Moment sind Kampf, Armut und Kriminalität auf den Straßen Kinshasas vergessen.

Es geht darum Hoffnung zu machen, etwas mit seinem Leben anzufangen. «Es ist nie zu spät im Leben» lautet eine Songzeile. Viele Lieder von Staff Benda Bilili (was übertragen so viel heißt wie «jenseits des Scheins») handeln von einem schmerzvollen Schicksal, sind Anklage und Trauer zugleich. «Vernachlässigt Eure Kinder nicht mehr» singt der alte Ricky. Andere Lieder handeln vom Leben auf der Straße und von Nächten auf Pappkartons.

Aber so traurig wie die Texte sind die Beats der Lieder nicht. Sie klingen nach einer Mischung aus Soul, Rumba und Reggae. Und manchmal, wenn die Kamera im Dunkeln auf die von Straßenlaternen beleuchteten Gesichter zeigt, dann erinnern die Lieder ein bisschen an den Buena Vista Social Club im fernen Kuba. Kritiker tauften die kongolesische Band deshalb sogleich in Kinshasa Social Club um.

Die französischen Filmemacher Renaud Barret und Florent de la Tullaye haben die Straßenmusiker mehr als fünf Jahre lang begleitet, Unterstützung bei den ersten Plattenaufnahmen inbegriffen. Mehrere Anläufe braucht es, um die CD im Studio aufzunehmen. Dann ist die Platte endlich da. Und auch die Tournee in Europa. In ihren Rollstühlen fliegen die Männer quer durch Frankreich, Deutschland und Skandinavien, Sommer bis Winter. Auch in Cannes wurde der Film 2010 gezeigt.

Eine Szene zeigt die Gruppe auf einem Festival. Sie singen von der Misere in ihrem Land und das Publikum groovt mit. Benda Bilili singt: «Du musst verstehen, was es braucht, um aus dem Hundeleben rauszukommen.»

dpa-infocom