pic Zählpixel
kalaydo leftkalaydo logo
RZ-Blog  |  Twitter  Mobil&RSS  |  Kontakt
suchen im
Lexikon
RZ-Online-Archiv
Zeitungs-Archiv
Internet
< Schnell-Navigation >
KinoWelt VideoWelt FotoWelt MeineWelt

«Auf brennender Erde»: Spannungsgeladenes Drama

Berlin Mit ihren verschachtelten, emotional fesselnden Geschichten haben der mexikanische Drehbuchautor Guillermo Arriaga und Regisseur Alejandro González Iñárritu («Babel», «21 Gramm», «Amores Perros») einen erfrischend neuen Erzählstil kreiert.

Das hat ihnen weltweit diverse Preise, Kritikerlob und beachtliche Erfolge an den Kinokassen beschert. Nun führt Arriaga zum ersten Mal auch selbst Regie - und hat es mit «Auf brennender Erde» sofort in den Wettbewerb von Venedig gebracht.

Das packende Familiendrama brachte bei den 65. Internationalen Filmfestspielen Venedig der jungen Schauspielerin Jennifer Lawrence den Preis als beste Nachwuchsdarstellerin. Lawrence muss sich in dem Werk an weiblichen Stars wie Charlize Theron und Kim Basinger messen - und hält fantastisch mit.

Mit kühlem Charme und klarem Kalkül managt die attraktive Restaurantbesitzerin (Charlize Theron) nicht nur äußerst erfolgreich ein Luxus-Lokal in Seattle, sondern verdreht dort den Männern gnadenlos die Köpfe. Doch der schöne Schein trügt, denn sie ist unglücklich mit ihrem Privatleben. Sie bemerkt es noch nicht einmal, als ihre Vergangenheit sie in Gestalt eines Mexikaners einholt, der sie auf Schritt und Tritt beschattet.

Derweil beobachtet ein Teenager (Jennifer Lawrence) argwöhnisch seine Mutter (Kim Basinger), die sich heimlich mit ihrem Geliebten in einem alten Wohnwagen in der Wüste trifft. An einem anderen Ort in Mexiko muss ein achtjähriges Mädchen mit ansehen, wie sein Vater die Kontrolle über sein einmotoriges Flugzeug verliert und eine schwere Verletzung bei diesem Absturz erleidet.

In seinem spannungsgeladenen Drama verknüpft Arriaga verschiedene Zeit- und Handlungsebenen geschickt miteinander, um das emotionale Mysterium seiner Protagonistin zu entwirren, die als Angelpunkt im Zentrum dieser Geschichten steht. Die Hauptdarstellerin Theron war von diesem Kinostoff so begeistert, dass sie sich auch als ausführende Produzentin an dem Projekt beteiligt hat. Für die Produktion zeichnen Walter F. Parkes und Laurie MacDonald verantwortlich, auf deren Konto große Studioproduktionen wie «Men In Black» und «Gladiator» gehen.

Die dunkle, emotionale Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Nach allen Regeln der Kunst hat Arriaga darin Vergangenheit und Gegenwart miteinander verwoben, um Stück für Stück die Wahrheit über ein Mutter-Tochter-Drama ans Licht zu bringen. Die emotionalen Befindlichkeiten der Protagonisten werden visuell durch die Bild- und Farbgestaltung unterstrichen. Während sich das Liebespaar in der flirrenden Hitze in der Wüste zum Rendezvous trifft, bleibt die unterkühlt wirkende Restaurantbetreiberin buchstäblich im Regen stehen.

Bei seinem Wechsel ins Regiefach entfaltet der Filmemacher eine Familientragödie, die packend wie ein Thriller inszeniert ist. So gelingt es ihm, die dysfunktionale Familienkonstellation mit einer innovativen Erzählstruktur in ein neues Licht zu setzen. Mit Theron, Basinger sowie der Neuentdeckung Lawrence, die in diesem Jahr für «Winter's Bone» für den Oscar nominiert war, hat Arriaga dafür ein echtes Star-Ensemble gewonnen.

Auf brennender Erde Von Birgit Heidsiek, dpa

dpa-infocom