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Multikulti-Berlin ohne Klischees: «I Phone You»

Berlin Wolfgang Kohlhaase ist Spezialist für Berlin-Filme, die bundesweit gut funktionieren.

Ob «Sommer vorm Balkon», «Solo Sunny» oder «Berlin - Ecke Schönhauser» - in seinen Geschichten zeichnet der Drehbuchautor das Leben der Hauptstädter seit Jahrzehnten sehr genau und liebevoll nach.

Gerade ist Kohlhaase 80 geworden. Und noch immer ist sein Blick jünger und frischer als der vieler seiner Kollegen. Das beweist er jetzt wieder in der in Berlin und der chinesischen Millionen-Metropole Chongqing spielenden melancholischen Komödie «I Phone You».

Dan Tang, eine aus China stammende Absolventin der Babelsberger Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf, führte Regie bei dem federleichten Liebesfilm. Alles beginnt mit einer rauschenden Nacht in einem Luxushotel in Chongqing. Als Ling (wunderbar zart gespielt von der Chinesin Jiang Yiyan) aufwacht, ist ihr One-Night-Stand schon längst auf dem Weg zurück nach Berlin. Dort macht Yu Geschäfte - und dort hat er auch Frau und Kind.

Trotzdem hängt Yu an seiner Geliebten Ling. Damit sie ihn jederzeit erreichen kann, schenkt er ihr ein iPhone. Mit dem Gerät ist Ling plötzlich eine Exotin und Außenseiterin unter ihren Freundinnen. Unter den Blicken eines eifersüchtigen Chefs arbeiten sie als singende Clowns, die bei Hochzeiten und Geburtstagsfeiern Blumen überreichen.

Als Ling beschließt, Yu im fernen Berlin zu besuchen, nimmt der Film eine melancholische Wendung. Am Flughafen wartet nämlich nicht der Geliebte, sondern sein Bodyguard Marco auf das Mädchen. Florian Lukas («Nordwand», «Good Bye, Lenin!») spielt diesen Marco als zartbesaiteten Macho, der sich unerwartet in Ling verliebt.

Ling hat aber erstmal nur Yu im Kopf und kann es gar nicht verstehen, dass der sie offenbar gar nicht sehen will. Auf der Suche nach ihrem Geliebten streift sie durch die verschiedensten Bezirke und Szenen Berlins. Kohlhaase zeigt dabei, das hinter dem Begriff Multikulti nicht nur hohle Phrasen und Klischees stecken müssen, sondern echtes, wahrhaftiges Leben. So ist «I Phone You» wieder ein echter Berlin-Film geworden. Das Ende ist dann ebenso überraschend wie schlüssig.

I Phone You Von Elke Vogel, dpa

dpa-infocom