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Alltag im Bann der Atomkraft: «Unter Kontrolle»

Berlin Wer erwartet, dass die Dokumentation «Unter Kontrolle» plakativ die deutsche und internationale Atompolitik attackiert, erlebt eine Überraschung.

Regisseur Volker Sattler erkundet sachlich und geradezu behutsam den Alltag in Atomkraftwerken in Deutschland und Österreich. Er wirft dabei einen vor allem von Wissensdurst gesteuerten Blick auf die Arbeit, die dort geleistet wird.

Sattler zeigt die Realität: Kernenergie gehört nahezu weltweit zum Leben und erhält dieses in erheblichem Maß. Die damit verbundenen, nach Tschernobyl und Fukushima vor allem von Angst gesteuerten Diskussionen werden von ihm nicht platt illustriert. Sattler geht sensibel vor: Wenn etwa der Vollmond aufsteigenden Dampf geisterhaft beleuchtet, drängen sich dem Zuschauer von allein kritische Assoziationen auf.

So wie hier bebildert Sattler oft das Mit- und Gegeneinander von Natur und Technik. Eine eindimensionale Gegenüberstellung vermeidet er. Konfrontation bleibt aus, wenn er ins Innere der heutzutage vor allem verteufelten wissenschaftlich-technischen Riesen geht.

Nüchtern geben die Angestellten Auskunft. Das Verharren der Kamera auf den Gesichtern macht wortlos klar: Dies ist kein Job wie jeder andere. Es gibt schockierende Momente. Beispielsweise zeigt ein Kontrolleur ein komplexes Modell und erzählt, dies wäre gebaut worden, um überhaupt nur eine Ahnung davon zu bekommen, welcher Maschinerie man gegenüberstehe. Da wird die unsichtbare Gefahr, die in der Ausnutzung der Kernenergie lauert, geradezu greifbar.

Erschreckend sind auch Aufnahmen von Angestellten, die nach Arbeitsende in einem Glaskäfig auf Strahlen geprüft werden, oder aus der Wäscherei, in der die Unterkleidung der Mitarbeiter gereinigt wird. Wenn dann, wie erst in den letzten Tagen, ein offizieller «Stresstest» ergibt, dass manche deutsche Kernkraftwerke nicht einmal dem Absturz eines Kleinflugzeuges standhalten, zieht man seine eigenen Rückschlüsse.

Höhepunkt des Films ist der Besuch in dem nie in Betrieb genommenen «Schnellen Brüter» in Kalkar in Nordrhein-Westfalen. Gebäude und Gelände dienen heute als Vergnügungspark. Lange vor Fukushima gedreht, bekommt die Dokumentation an dieser Stelle eine gänsehaut-trächtige Energie. Denn unausgesprochen steht die Frage im Raum, wieso die Gründe, die schon vor rund zwanzig Jahren zur Aufgabe von Kalkar geführt haben, andernorts offenkundig nicht gelten sollen.

Wenn der Film schließlich Endlagerstätten unter Tage zeigt, paart sich Respekt vor dem Erfindungsreichtum der Wissenschaft mit dem Gefühl, dass die Menschheit genau diesem Erfindungsreichtum machtlos ausgeliefert ist. Denn für immer «Unter Kontrolle», das wird klar, ist diese Technologie nur im Traum.

Unter Kontrolle Von Peter Claus, dpa

dpa-infocom