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«Arrietty»: Zeichentrick-Märchen aus Japan

Berlin Arrietty ist dreizehn Jahre alt, bildhübsch und so klein, dass ihr ein Weinblatt als Regenschirm dient.

Mit Vater und Mutter lebt das Mädchen im Fundament eines alten Hauses und kommt nur über die Erde, um sich bei den Menschen mit Lebensnotwendigem zu bedienen - einem Stück Würfelzucker etwa oder einem Papiertuch. Denn die winzigen Leutchen sind Borger aus den ab 1952 entstandenen gleichnamigen, bereits mehrfach verfilmten Kinderbüchern der Engländerin Mary Norton. Unter dem Titel «Arrietty - Die wundersame Welt der Borger» hat der Japaner Hiromasa Yonebayashi daraus ein liebenswertes Zeichentrick-Märchen mit aktuellen Bezügen geschaffen.

Acht Millionen seiner Landsleute haben «Arrietty» bereits gesehen. Der Film wurde beim 34. Japanischen Academy Preis in der Kategorie «Animation Of The Year» ausgezeichnet. Yonebayashi, Jahrgang 1973, ist im weltbekannten Zeichentrickstudio Ghibli langjähriger Mitarbeiter des Oscar-gekrönten Anime-Meisters Hayao Miyazaki («Prinzessin Mononoke», «Chihiros Reise ins Zauberland»).

In seinem Regie-Erstling nach dem Drehbuch seines Mentors und ausführenden Produzenten lässt er - wie Mayazaki es auch in seinen eigenen Filmen gern tut - zwei Welten aufeinanderprallen: eine gesichtslose Gegenwart samt ihren anonymen Gebäuden, schnellen Autos und zerrütteten Familien mit der hier gemächlich altmodischen, naturnahen, Ressourcen schonenden, ständig bedrohten Welt der Borger. Dabei vermag die elfenhafte Arrietty dem herzkranken zwölfjährigen Menschenjungen Sho mit ihrer Freundschaft Lebenskraft und Hoffnung zu schenken - bevor sie sich selbst mit ihren Eltern auf die Flucht an einen sichereren Ort ins Hinterland begeben muss.

Der britische Kinderbuchklassiker wird zum global orientierten Plädoyer für Familienwerte, Freundschaft und eine bescheidene, so ökologische wie fantasievolle Lebensweise. Yonebayashi durfte sich dafür auf die traditionellen Produktionsmethoden des Studios Ghibli verlassen, das Miyazaki 1985 mitbegründet hatte. Anstatt sich modernster Computer-Animation zu bedienen, wird meist noch per Hand auf Folien gezeichnet und abfotografiert. Auf diese Weise entstanden für «Arrietty» stimmungsvoll detailfreudige Szenen in milden Farben, die einem altmodischen Bilderbuch entnommen zu sein scheinen.

Yonebayashis Werk erreicht nicht die Komplexität der Zivilisationskritik Miyazakis. Doch ein sympathisches, intelligentes Kinovergnügen für Alt und Jung gelang dessen Schüler allemal.

Seite des Films Von Ulrike Cordes, dpa

dpa-infocom