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Derbe Komik auf sensiblem Grund: «Hangover 2»

Berlin Die Story von «Hangover 2» folgt in ihrem Grundmuster jener des 2009 immens erfolgreichen Comedy-Hits «Hangover»: Vor einer geplanten Hochzeit stürzen Bräutigam und Kumpel in einen Vollrausch.

Das Erwachen ist böse und der Kater schmerzhaft, die Folgen sind absolut irrwitzig und reichen von ungewollten Tattoos bis zu mörderischer Action und Szenen voll surrealem Grusel.

Was einst in Las Vegas Lachsalven provozierte, sorgt diesmal vor allem in Bangkok für Spaß der deftigen Art, der nicht selten unter die Gürtellinie trifft und der sich keinen Deut um die Grenze zwischen gutem und schlechtem Geschmack schert. Was zum wenig einfallsreichen Aufguss hätte werden können, erweist sich als Comedy von überraschender Stärke.

Die Schärfe des Witzes resultiert daraus, dass Regisseur und Drehbuch-Mitautor Todd Philips, der schon «Hangover» maßgeblich geprägt hat, diesmal stärker auf schwarzen Humor der härtesten Gangart setzt. Dreh- und Angelpunkt des wuseligen Geschehens ist nämlich das Verschwinden eines Halbwüchsigen. Da wird effektsicher mit Entsetzen Scherz getrieben.

Das Quartett der bewährten Hauptdarsteller sorgt dafür, dass die Gags nicht zur seelenlosen Nummernrevue verblassen, sondern sich organisch zu einer auch mit Gefühl aufgeladenen Geschichte fügen. Ed Helms in der Rolle des Bräutigams Stu, Bradley Cooper (Phil), Zach Galifanski (Alan) und Justin Bartha (Doug) geben der Freundschaft der vier Anti-Helden eine schöne Herzenswärme, so dass man noch beim größten Blödsinn unbeschwert mit ihnen lacht.

Die Komik des Quartetts wird bei allem kalauernden Sprachwitz insbesondere von der Körperlichkeit der Schauspieler geprägt. Sie knüpfen mit zahlreichen Slapstick-Nummern an die großen Künste unvergessener Stummfilmstars wie Charles Chaplin oder Buster Keaton an. Rhythmisch perfekt erzielen die Darsteller so mit minimalen Aktionen Riesenlacher. Das ist besonders wirkungsvoll, wenn sie mit dem heimlichen Star des Films agieren, einem kleinen Affen. Da wird's dann wirklich ein tierisches Vergnügen.

Ganz klar: «Hangover 2» wendet sich nicht unbedingt an Feingeister und Liebhaber literarisch geprägten Humors. Man muss schon einen Sinn fürs Derbe haben - aber auch Spaß daran, hinter allem Klamauk durchaus ein paar Wahrheiten über die Zerbrechlichkeit von Freundschaften zu entdecken.

Dank des sensiblen Grunds, auf dem die Geschichte angesiedelt ist, bangt man als Zuschauer tatsächlich mit den Figuren mit, wie dumm sie sich auch benehmen. Damit ist der Erfolg beim großen Publikum auch diesmal programmiert. Kein Wunder, dass in Hollywood bereits über «Hangover 3» nachgedacht wird.

Filmseite Von Peter Claus, dpa

dpa-infocom