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«Morgen das Leben»: Sehnsucht nach einem Neuanfang

Berlin Soll das alles gewesen sein? Geht das Leben nur noch in diesem Trott weiter? Solche Fragen treffen jeden einmal - früher oder später. Und manchen werfen sie ziemlich aus der Bahn.

Der Dokumentarfilmer Alexander Riedel, Jahrgang 1969, erzählt in seinem Spielfilmdebüt «Morgen das Leben» von drei Großstadtmenschen um die 40, die sich auf höchst unterschiedliche Weise diesem Wendepunkt in ihrem Leben stellen. Der ruhige, poetische Film kommt nun in die Kinos.

Das Faszinierende an Riedels Werk: Die Lebensgeschichten seiner Protagonisten sind frei erfunden, die Figuren werden von Schauspielern gespielt. Und dennoch erhalten sie durch die am Dokumentarfilm geschulte, lakonische Erzählweise eine solche Authentizität, dass man meint, mit echten Menschen zu leiden und zu lachen - eine gekonnte Gratwanderung zwischen Realität und Fiktion.

«Der Wechsel in die Vierziger ist ein verflixter Übergang, eine Schwelle in ein anderes Leben, und es gibt keinen Weg zurück», so beschreibt Riedel im Presseheft das Grundgefühl seiner drei Münchner «Helden». Da ist die attraktive alleinerziehende Mutter Judith (Judith Al Bakri), die sich und ihren Sohn mit Heimarbeit über Wasser hält. Die Trauer um ihren einstigen Job als Stewardess überspielt sie mit einer erotischen Telefonbeziehung, in der sie ein geschäftiges Leben über den Wolken vorgaukeln kann.

Daneben gibt es die graue Maus Ulrike (wunderbar: Ulrike Arnold), die gerade von ihrem Freund verlassen wurde und zur Selbstverwirklichung den sicheren Job im Sozialamt mit einer Ausbildung zur Kosmetikerin tauscht. Und schließlich Jochen (Jochen Strodthoff): Nachdem er sich jahrelang mit Gelegenheitsjobs durchgeschlagen hat, hofft er, als gestriegelter Versicherungs-Vertreter endlich eine eigene Wohnung finanzieren zu können.

Es passiert nicht viel in diesen 92 Kinominuten, wir schauen den Protagonisten einfach beim Leben zu. Die Geschichten der drei laufen ruhig nebeneinander her, nur einmal kreuzen sich kurz zwei Wege. Dennoch gewinnt der Film durch die Montage und die einfühlsamen Bilder eine ungeheuere Dichte. Und wenn am Schluss das japanische Ukulelen-Duo Coconami erneut sein zauberhaftes «Isarmärchen» anstimmt, möchte man mit den Protagonisten hoffen, dass wirklich «Morgen das Leben» beginnt.

Seite des Films Von Nada Weigelt, dpa

dpa-infocom