pic Zählpixel
kalaydo leftkalaydo logo
RZ-Blog  |  Twitter  Mobil&RSS  |  Kontakt
suchen im
Lexikon
RZ-Online-Archiv
Zeitungs-Archiv
Internet
< Schnell-Navigation >
KinoWelt VideoWelt FotoWelt MeineWelt
Mode

Gegen das Alltagsgrau: Der Mann trägt kunterbunt

Frankfurt/Main/Köln Im Frühjahr und Sommer 2011 soll der Mann kunterbunt tragen: In den Modegeschäften stapeln sich pinke, knallrote, grasgrüne und türkise Klamotten. Nicht zögern, sondern ausprobieren!

Man könnte meinen, die Welt steht Kopf: Modebewusste Männer, sonst erklärte Liebhaber der unauffälligen Farben Schwarz, Weiß, Grau oder Dunkelblau, sollen jetzt wild miteinander kombinierte, bunte Paradiesvogel-Klamotten tragen. Boss Black zeigt etwa knallrote Hosen zur blauen Weste und einem rosafarbenen Sakko, Alberto eine orange Jeans zum neongrünen Polo-Shirt, und Cinque legt eine himmelblaue Strickjacke unter das dunkelblaue Sakko. «Colourblocking» nennt sich das Prinzip.

«Damit ist eine kontrastreiche Farbgebung durch hartes Gegenüberstellen von Blöcken mit deutlich abgehobenen, stark unterschiedlichen, meist leuchtenden Farben gemeint», erläutert der Frankfurter Modeberater Andreas Rose. Was auf den Laufstegen schon vor mehreren Saisons begann, erreicht nun langsam den Massenmarkt, und 2011 sind die jugendlichen Modemarken auf den Zug aufgesprungen.

Doch der nicht allzu modebewusste Mann steht oft ratlos vor den Regalen und sorgt sich, im lila Hemd und grüner Hose wie ein Papagei auszusehen. «Das Paradiesvogel-Argument kann ich nicht mehr hören», entgegnet allerdings Gerd Müller-Thomkins, Geschäftsführer des Deutschen Mode-Instituts (DMI) in Köln. «Entweder man möchte Farben und steht dazu - oder eben nicht.» Und er betont: «Mut zur Farbe ist kein Verkaufsslogan, man sieht es längst auf den Straßen.» Auch der Berliner Mode-Autor und Stil-Blogger Bernhard Roetzel sagt: «In den meisten Geschäften ist es schon eine Kunst, nicht irgendwo auf beerenfarbige Männerhosen zu stoßen.»

Müller-Thomkins rät daher denjenigen , die mit dieser Mode gehen wollen: Die Klamotten dürfen nicht nach dem Prinzip «Das passt alles schon irgendwie zusammen» kombiniert werden. Colourblocking werde bewusst nach ein paar wenigen Regeln und vor allem zum Typ passend gemacht. Zunächst müsse man daher seinen Farbtyp kennen. Entscheidend dafür, welche auffällige Farbe zu einem passt, sind Haarfarbe und Hauttyp, sagt Müller-Thomkins. «Als dunkler Typ sehe ich mit einem hellgrünen Halstuch ganz bleich und kränklich aus, einem blonden Mann steht es dagegen wahrscheinlich bestens.»

Wer seine passenden Farben kennt, sollte diese in möglichst ungewöhnlichen, auffälligen Kombinationen tragen. Denn wie etwa Daniel Hechter vormacht, sieht selbst ein babyblauer Schal unter einem kiwigrünen Sakko gut aus. Oder eine feuerwehrrote Hose zum gelben T-Shirt, wie H&M kombiniert. «Früher hat man gesagt: Rot mit Blau oder Grün zu kombinieren, das geht nicht. Heute ist das obsolet geworden, da geht fast alles», sagt Stil-Experte Roetzel.

Wichtig ist allerdings, nicht mehrere Farben in kleinteiligen Mustern zu haben, sondern einfarbige Klamotten miteinander zu kombinieren, erläutert Fashion-Experte Rose «eine einfache Stylingregel». Man wählt also ein rein rotes Hemd zur grünen Hose aus statt ein rot-grün gemustertes Hawaiihemd. Stylingberater Roetzel rät besonders den Zaghaften, eine auffällige Farbe für größere Teile des Outfits, meist Jacke oder Hose, zu nehmen. «Dazu dann ein neutraleres Teil wie eine Chino in Khaki oder ein sandfarbenes Blouson.» Alberto macht dies vor, indem es ein Model in eine lilafarbene Hose zum unauffälligen, grauen Shirt steckt.

Wenn alle Experten also zu kleidsamer Farbigkeit ermuntern und das Kölner Mode-Institut die neuen Männermode in ihrem aktuellen Trendbericht als «Antidepressivum» gegen das alltägliche Grau-in-Grau annonciert, gibt es denn gar keine Grenze mehr? Wie viele Farben dürfen es denn allerhöchstens in einem Outfit sein, bevor man dann doch wie ein Papagei aussieht? «Theoretisch können Sie problemlos sechs Farben kombinieren, vom Hemd bis zur Tasche», findet Roetzel. Und Möller-Thomkins meint: «Es gibt keine Regel, die Grenze muss jeder für sich selbst bestimmen.» Er ist sich übrigens sicher: «Der Mann war niemals modischer als heute.» Von Gian-Philip Andreas, dpa

dpa-infocom