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«Schlag fester zu»: Trauringe selber schmieden

Berlin Zum Juwelier, Trauringe aussuchen, fertig. Vielen Brautpaaren fehlt dabei die Romantik.

Sie wollen an ihrem Eheglück schmieden und machen sich die Ringe selber: Wie aus einem Streifen Edelmetall ein Symbol der Liebe wird, hat ein Paar ausprobiert.

Natascha Geisler und Frank Schaff trauen sich. Vor ihnen liegen zwei unauffällige Streifen Palladium, ein weißes Edelmetall. Die beiden greifen zur Zange und drücken zu. Langsam verformen sich die Stäbchen in unförmige Eier. Zu zaghaft klopft die künftige Braut mit einem Gummihammer auf den Ring, der auf einer konisch geformten Eisenstange steckt. Sie macht ihn für ihren Liebsten, und er soll perfekt werden. «Schlag ruhig fester zu», ermutigt der Goldschmied Jens Martens sie.

Er erklärt, hilft und greift immer dann ein, wenn es für die Laien zu schwierig wird. Seit 2005 gibt er in seiner «Trauringschmiede» in Berlin solche Kurse. Die Nachfrage ist groß. «Die Paare kommen aus ganz Deutschland, aus Österreich und der Schweiz», sagt er. Inzwischen haben deutschlandweit viele Goldschmiede den Trend entdeckt und bieten Tageskurse für Hochzeitspaare an.

«Wir wollten nichts von der Stange» , sagt Bräutigam Frank Schaff. Zunächst habe sie noch Bedenken gehabt, ob sie das nötige handwerkliche Geschick mitbringe, meint Natascha Geisler. «Ein Goldschmied hat ja nicht ohne Grund eine mehrjährige Ausbildung.» Und schließlich soll das Stück im besten Fall ein Leben lang am Finger stecken können. Ein unverbindliches Vorgespräch beruhigte sie. Denn Goldschmied Martens ist sich sicher: «Auch handwerklich Ungeübte bekommen mit der richtigen Anleitung perfekte Trauringe hin.»

Gemeinsam hat das Paar die Ringe nach seinen Vorstellungen entworfen. Aus Palladium soll ihr Ehesiegel sein. Über den Preis entscheidet vor allem das Material. Deshalb misst der Goldschmied vorher die Ringgröße der künftigen Eheleute, und sie besprechen die Dicke, Breite, Gravur und den Brillantenbesatz der Stücke.

Wie ihre Unikate am Ende aussehen sollen, haben Frank Schaff und Natascha Geisler genau vor Augen: Schlichte, breite Ringe mit klaren Kanten - und für die Braut Brillanten. Doch noch ist das, was vor den beiden liegt, weit davon entfernt, ein perfekter Ehering zu sein. Die Stücke nehmen zwar langsam Form an, doch sie sind noch nicht geschlossen. Da muss der Goldschmied mit einem Brenner ran. Die Flamme bringt die Ringe zum Glühen, die Enden verschmelzen.

Das Brautpaar schaut staunend zu. Danach dürfen sie wieder an die Geräte: Rhythmisch klingt das Hämmern, einträchtig bearbeiten sie das Palladium. Die Verbundenheit, für die die Schmuckstücke einmal symbolisch stehen sollen, ist in der Hinterhofwerkstatt schon zu spüren: Das gemeinsame Schmieden schweißt quasi auch das Paar zusammen.

Es wird nun gebogen, geformt, gefeilt. Das Schleifen dauert am längsten: Unzählige Male kreisen die beiden mit grobem Papier über die Ringe, lassen Kratzer verschwinden und klären ganz nebenbei elementare Fragen: «Rührst du den Kaffee auch rechts rum?», fragt Natascha Geisler mit Blick auf die Drehrichtung ihres Verlobten.

Zeitdruck gibt es nicht, sechs Stunden werden die beiden am Ende gearbeitet haben. «Die Paare schmieden, bis das Ergebnis ihren und unseren Ansprüchen genügt», sagt der Goldschmied. Beim Polieren laufen die Finger heiß. Bürstchen rotieren auf der Innen- und Außenseite des Rings. Zufrieden betrachtet der Bräutigam das Stück. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Der Ring glänzt wie ein Spiegel - und das muss reichen: «Ein paar kleine Schlieren darf er ja haben, schließlich haben wir ihn selber gemacht.»

Die letzten Arbeitsschritte haben es dann noch mal in sich, deswegen macht der Goldschmied das Einfassen der Brillanten und die Gravur. Nach einer Woche dürfen Frank Schaff und Natascha Geisler die Ringe abholen - anstecken aber erst vor dem Standesbeamten. Von Aglaja Adam, dpa

dpa-infocom