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Ferrari aus Fernost: 20 Jahre Honda NSX

Tokio Sie bauen zuverlässige Kleinwagen, gewaltige Offroader, ambitionierte Luxuslimousinen und fahren bei der Hybrid- und Elektrotechnik vorne mit.

Nur bei den Sportwagen haben die japanischen Hersteller nicht viel zu melden. Seltene Ausnahme: der Honda NSX.

Je höher Leistung und Spitzentempo eines Autos sein sollen, desto dünner wird das Fahrzeugangebot aus Asien. Zu den Ausnahmeautos zählte da der Honda NSX, der vor 20 Jahren seinen Einstand gab. An der Entwicklung des Sportwagens hatte sich Formel-1-Weltmeister Ayrton Senna beteiligt. Honda bestückte das Modell mit allem was gut und teuer war. So galt der NSX viele Jahre lang als Ferrari aus Fernost und wurde von Testern, Rennfahrern und Konkurrenten als ernstzunehmende Alternative bewertet. Die Kundschaft allerdings reagierte vor allem in Europa eher verhalten auf den sportlichen Japaner.

In 15 Jahren wurden keine 20 000 Fahrzeuge montiert - weitgehend in Handarbeit. 2005 stellte Honda die Produktion 2005 ein. Zwar gab es Pläne für einen Nachfolger. Die Entwickler machten jedoch wegen der Wirtschaftskrise vor zwei Jahren auf der Zielgeraden Halt und ließen all ihre Ideen für den fast fertigen Wagen in der Schublade verschwinden.

Mit dem «New Sportscar eXperimental» - dafür steht NSX - hatte Honda den Versuch unternommen, die recht biedere Marke mit Emotionen und Adrenalin aufzuladen. Dafür machten die Konstrukteure eine Menge Technik aus der Formel 1 serientauglich. Das Unternehmen meldete in der Entwicklungsphase mehr als 400 Patente an. So verfügte der Wagen bereits über ein elektronisches Gaspedal, Pleuelstangen aus Titan und Zündkerzen aus Platin. Um Gewicht einzusparen, wurden Fahrwerk und Karosserie weitgehend aus Aluminium gefertigt - damals eine Sensation bei Serienfahrzeugen.

Entscheidender als die fortschrittliche Technik war für die meisten NSX-Kunden das messerscharfe Design: Cool, kantig und anfangs mit einem verführerischen «Augenaufschlag» der ausklappbaren Scheinwerfer - so konnte es der NSX optisch durchaus mit Ferrari & Co aufnehmen. Außerdem bot Honda eine Ausstattung an, wie man sie seinerzeit von Sportwagen italienischer Herkunft noch nicht gewohnt war: Klimaautomatik, Lederpolster, Airbags, CD-Anlage und elektrische Fensterheber gehörten zum Standard.

Obendrein galt das Auto als extrem zuverlässig: Während viele Supersportwagen häufiger auf der Hebebühne als in der Pole-Position stünden, hätten es viele NSX auf mehr als 200 000 Kilometer Laufleistung gebracht, berichtet Sven Matthäi. Im Chemnitzer Autohaus Fugel betreut Matthäi eine kleine, aber feine Honda-Sammlung.

Auch in Sachen Leistung machte der NSX im Vergleich zur Sportwagen-Konkurrenz aus Europa eine wirklich gute Figur. Und das, obwohl sich Honda bei der Entwicklung auf einen gerade einmal 3,0 Liter großen V6-Motor beschränkte. Doch bei nur 1,4 Tonnen Gesamtgewicht reichten 202 kW/274 PS und 284 Newtonmeter Drehmoment für atemberaubende Sprints völlig aus. Nach weniger als sechs Sekunden zeigte der Tacho Tempo 100 an.

Mit seiner Spitzengeschwindigkeit von 270 km/h jagte der NSX den meisten Sportwagen locker davon. «Das Auto ist schnell, verdammt schnell sogar», soll Entwicklungshelfer Senna nach seiner ersten Testrunde gesagt haben. Das war besser als jede Werbung und hat den Absatz des NSX bei seinem Einstand beflügelt. Zumindest in Amerika, wo im ersten Jahr 3000 Autos verkauft wurden.

«In Deutschland hat es der NSX nie so richtig zum Renner gebracht», stellt Experte Matthäi fest. «Wer einmal drin gesessen hatte, der war begeistert. Doch Ferrari- oder Porsche-Fahrer in einen Honda zu locken, war nicht ganz einfach.» Entsprechend schwer ließ sich der Wagen verkaufen - vor allem für einen Listenpreis von anfangs 140 000 Mark und am Ende 90 000 Euro.

In 15 Jahren hat es in Deutschland keine 300 Neuzulassungen des NSX gegeben. Mit großzügigen Rabatten versuchten die Händler zunehmend, Kunden zu gewinnen - vergebens. Auf dem Gebrauchtmarkt habe sich das Blatt schließlich gewendet, sagt Matthäi: «Gut erhalte Fahrzeuge werden über ihrem alten Neupreis gehandelt.»

Auch wenn in nächster Zukunft kein direkter NSX-Nachfolger zu erwarten ist, haben die Honda-Entwickler die Gene dieses Wagens offenbar nicht ganz vergessen: Mit dem Projektkürzel HSV-10 GT dreht derzeit auf japanischen Rennstrecken ein mattschwarzes Coupé mit einem mehr als 367 kW/500 PS starken V8-Motor seine Runden. Dieser Sportwagen würde sich in einer Straßenversion sicher auch auf der Überholspur gut machen. Von Thomas Geiger, dpa

dpa-infocom


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