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Wie Zweckmobile an Image gewinnen

Rüsselsheim Flügeltüren versus Stauraum: Moderne Vans wollen luxuriöse Exzentriker fürs Auge und praktische Begleiter im Alltag sein.

Doch wenn Hersteller die Langeweile zu ambitioniert vertreiben, riskieren sie einiges: die neu gewonnene Akzeptanz der Kunden.

Vans sind praktisch und geräumig. Der maximale Nutzwert steht bei dieser Fahrzeugklasse ganz oben auf der Liste. Nachteil: Viele Großraumlimousinen wirken wie Blech gewordene Langeweile. Doch es gibt einen Gegentrend: Autohersteller verzichten zusehends auf ein paar Liter Stauraum und lassen ihren Designern mehr Freiheiten. Ergebnis: Die Vans werden schicker und sollen mehr dem angenommen Lifestyle der Kundschaft entsprechen, und sie verkaufen sich nicht schlecht. Doch die Rechnung geht nicht immer auf.

Dass indes der neue Orlando ankommt, davon ist Chevrolet überzeugt: Mit dem Siebensitzer hat es der US-Hersteller erstmals speziell auf Familien abgesehen. Ab 18 990 Euro sollen vor allem Eltern zugreifen: «Die Mütter kann man mit vielen Ablagen, variablen Sitzen und einem großen Kofferraum ködern», sagt Pressesprecher Rej Husetovic. Väter würden insbesondere durch das «muskulösere Design» überzeugt. Und tatsächlich: Aus mancher Perspektive erinnert der Orlando eher an einen Geländewagen als ein Fahrzeug für den Weg zum Kindergarten oder den Familienurlaub.

Eine ähnliche Kompromisslösung für die angenommenen elterlichen Bedürfnisse haben auch andere Marken schon gefunden. VW bietet den Kompaktvan Touran auch mit höherer Bodenfreiheit und stärkerer Beplankung an. Als Namenszusatz wählte VW für den Wagen im Offroad-Look ohne Allradantrieb «Cross». Als eine Mischung aus SUV und Van bewirbt Peugeot seinen 3008.

Auch in kleineren Fahrzeugklassen ist das Van-Konzept längst angekommen. Und auch hier hat das Experiment mit den Formen bereits begonnen - vor allem bei Kia und Nissan. Modelle wie der Nissan Note oder der Renault Modus sind noch nach konventionellem Muster gestrickt, doch anders der Kia Soul und de Nissan Cube: Sie sind betont kantig und wirken dennoch weich. Das kommt bei den Kunden vor allem in Übersee an: «In Japan und Amerika ist der Cube längst Kult», sagt Nissan-Sprecher Michael Bierdümpfel. Vor allem in Amerika feiert auch Ford einschlägige Erfolge mit dem ungewöhnlich flachen Siebensitzer Flex, der entfernt an einen aufgeblasenen Mini Clubmann erinnert.

Die Erkenntnis, dass Langeweile nicht die notwendige Begleiterscheinung der Innenraumkonzepte für Vans ist, ist bei vielen Herstellern durchgesickert. «Wir wollten zeigen, dass es auch anders geht», sagt etwa Kia-Designchef Peter Schreyer. Die Koreaner stellten erst im Januar die Studie KV7 auf der Motorshow in Detroit vor. Der über fünf Meter lange Raumkreuzer entfaltet eine Loungeatmosphäre, dank bequemen Sitzschalen, Tischen mit integrierten Touchscreens und einem Armaturenbrett, das sich auf Knopfdruck in die Karosserie zurück zieht.

Allerdings hat die Kia-Studie einen Haken: ihre Flügeltüren. Diese verleihen dem KV7 zwar einen Hauch von Supersportwagen und gewähren zu Show-Zwecken einen besseren Blick in den Innenraum. Für die Serie allerdings taugen sie nicht, «weil man das Auto im echten Leben schließlich auch in der Garage oder einen engen Parklücke öffnen muss», erläutert Schreyer.

Dass man bei der Serienfertigung mit dem Hang zu zu viel Lebensfreude übers Ziel hinaus schießen kann, hat jüngst Renault bewiesen: Dem eigentlichen Handwerkerfahrzeug Kangoo in der Version «BeBop» bauten die Franzosen eine versenkbare Heckscheibe und ein verschiebbares Dachmodul ein. Doch wurde das Konzept des kleinen Cabrio-Lasters nicht angenommen. Kaum mehr als ein Jahr nach dem Start ist der Wagen 2010 wieder vom Markt verschwunden.

So ist es offenbar eine Frage der Dosis, ob Lifestyle-Merkmale in den Klassen der Vans, Hochdachkombis und Großraumlimousinen überhaupt angenommen werden. Marktforscher Nick Margetts vom Anaylseinstituts Jato Dynamics im hessischen Limburg führt die Zulassungsstatistik an: Diese weist traditionell Vans wie Opel Zafira und VW Touran als Topseller aus. «Das sind sicherlich nicht die schönsten und aufregendsten Vans, sondern Autos für Bausparer und Gymnasiallehrer», sagt Margetts. Praktische Werte wie die Größe des Stauraums, die Variabilität der Sitze und die Zahl der Ablagen gäben am Ende eben doch den Ausschlag. Das Fazit des Branchenbeobachters: «Lifestyle alleine ist zu wenig. Nur wer auch an Kind und Kegel denkt, hat eine Chance auf Erfolg.» Von Thomas Geiger, dpa

dpa-infocom


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