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Alles eine Typfrage: Welches Fahrrad passt zu mir?

Göttingen Im Modell-Dschungel von mehr als 300 Fahrradherstellern können Kunden leicht die Orientierung verlieren.

Ausstattung und Preise einzelner Modelle lassen sich besser vergleichen, wenn man sich vorher auf einen Radtyp festlegt.

Der alte Drahtesel hat ausgedient: Er klappert und quietscht, ständig geht irgendetwas kaputt. Ein neues Fahrrad muss her. Damit die Qualität stimmt, sollte man dafür im Fachhandel mindestens 500 Euro ausgeben, empfehlen Experten wie Bettina Cibulski vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) und Gunnar Fehlau vom branchennahen Pressedienst Fahrrad (pd-f). Bei der Entscheidung für das richtige Rad hilft eine kleine Typenkunde:

Citybike: Eine gute Wahl für Radler, die gelegentlich kürzere Strecken fahren - zum Einkaufen oder bei kleinen Touren am Wochenende. Dieser Radtyp ist nicht besonders sportlich, dafür robust und pflegeleicht: Wartungsarme Technik wie Nabendynamo, LED-Rücklicht und Nabenschaltung mit 3 bis 14 Gängen sind Standard. Viele Modelle haben einen tief heruntergezogenen Rahmen für leichtes Aufsitzen.

Trekkingbike: In Deutschland der zweitbeliebteste Fahrradtyp nach dem Citybike. Trekkingräder wurden ursprünglich für lange Touren auf asphaltierten und unbefestigten Wegen entwickelt, werden inzwischen aber vor allem von Vielfahrern und Pendlern genutzt. Typisch sind ein stabiler Aluminium-Rahmen, Kettenschaltung und 28-Zoll-Räder.

Hollandrad: Der nahezu unverwüstliche Touren-Klassiker aus den Niederlanden ist durch seine bequeme, aufrechte Sitzposition, einen breiten Sattel und einfache Technik unverkennbar. Der geschlossene Kettenkasten schützt den Antrieb vor Staub und Nässe. Hollandräder haben wie viele Citybikes einen tiefen Einstieg - in den Niederlanden werden sie deshalb auch «Omafiets» (Omafahrrad) genannt.

Mountainbike: Mit dicken 26-Zoll-Stollenreifen machen Mountainbikes optisch einiges her. «Sie sind aber nur bedingt alltagstauglich», sagt Stephan Schreyer vom ZIV. Größtes Manko: die fehlende Verkehrssicherheit. In der Regel müssen Licht und Klingel für den Straßeneinsatz nachgerüstet werden, so Fehlau. «Das kann teuer werden und sieht nur noch halb so sexy aus.»

Rennrad: Extrem schmale Reifen auf 28-Zoll-Felgen, eine gedrungene Sitzposition und Zubehör, das ausschließlich der Fortbewegung dient - Rennräder sind reine Sporträder. Vom Alltagseinsatz raten die Experten ab: Schlaglöcher oder Bordsteine können den empfindlichen Felgen leicht zusetzen und den Piloten zu Fall bringen. «Bei Regen ist die Sturzgefahr ebenfalls sehr hoch», warnt Cibulski. Obligatorisch ist die Kettenschaltung mit 16 bis 33 Gängen.

Faltrad: Mit Klapprädern aus den 1970er Jahren haben Falträder kaum noch etwas gemein, erläutert Gunnar Fehlau. Im Vergleich zu den urigen Vorfahren seien sie zu «mechanischen Meisterstücken» gereift, die sich binnen Sekunden in vollwertige Fahrräder verwandeln lassen. Wie gemacht sind die 20-Zöller für Pendler, weil sie leicht in Züge, Bahnen oder Busse passen.

Expeditionsrad: Beim Reise- oder Expeditionsrad spielen Gewicht und technische Finessen eine untergeordnete Rolle: «Komfort, Stabilität und Wartungsarmut sind entscheidend, wenn man mit dem Velo um die Welt möchte», sagt Fehlau. Bei einem guten Expeditionsrad ist der Hinterbau, also der Abstand zwischen Tretlager und Hinterachse, besonders lang, damit die Ferse nicht an die Packtasche stößt.

Liegerad: Der Exot für Langstreckenfahrer - denn Liegeräder sind windschnittig und haben statt eines konventionellen Fahrradsattels einen Sitz mit Rückenlehne. Die Handhabung ist gewöhnungsbedürftig. Es gibt sogenannte Kurz- und Langlieger, Varianten mit zwei oder drei Rädern und unterschiedliche Lenksystemen.

Transportrad: Diese zwei- oder dreirädrigen Spezialisten sind quasi eine Auto-Alternative: Exemplare mit Sitzbänken oder großen Transportboxen, die oft bis zu 100 Kilogramm tragen, eignen sich für Großeinkäufe oder den Transport des Nachwuchses.

Pedelec: Inzwischen seien fast alle Radtypen auch als Pedelec erhältlich, erläutert Fehlau. Gemeinsamer Nenner ist ein Batteriemotor, der sich beim Treten zuschaltet und den Fahrer bis Tempo 25 unterstützt. Pedelecs sind zulassungsfrei. Solide Einstiegsmodelle mit einem Citybike-Rahmen gibt es für 1500 Euro. Von Christoph Walter, dpa

dpa-infocom


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