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Navis mit Internet sind hochaktuell

Stuttgart Besseres Durchkommen: Das sollen Navis mit Internetanbindung gewährleisten.

Dabei werden Autofahrer mit aktuellen Informationen über die Verkehrslage und Ausweichrouten versorgt. Die laufenden Kosten für die Systeme haben sich inzwischen halbiert.

Das Navi rät, die Autobahn zu verlassen, obwohl die Reise eigentlich auch geradeaus weitergehen könnte. Während der Fahrer seinen Wagen durch die Ausfahrt lenkt, sieht er noch das Stauende in der nächsten Kurve der Fernstraße - und kann sich freuen: Er hat Zeit gewonnen und seine Nerven geschont. Wie in diesem Beispiel leiten Navigationssysteme mit Live-Diensten zum aktuellen Verkehrsaufkommen Autofahrer ohne lange Zwangspausen über Alternativrouten ans Ziel. Als die Geräte mit Internetanbindung vor rund drei Jahren auf den Markt kamen, schreckten die laufenden Online-Kosten noch viele Kunden ab. Darauf haben die Anbieter mittlerweile reagiert.

Die Verbindungsgebühren haben die Hersteller geschickt im Anschaffungspreis für die Hardware versteckt - und halbiert. «Der Live-Service ist für ein bis zwei Jahre inklusive, früher war das nur für drei Monate der Fall», sagt Rafaela Möhl vom Internetportal Teltarif.de. Erst danach fielen rund 50 Euro jährlich an - früher waren es oft noch 100 Euro. Neu ist auch: Die Kosten für EU- oder europaweites Roaming sind nunmehr enthalten. Früher drohte beim Überschreiten mancher Grenze die Kostenfalle zuzuschnappen.

Allerdings sind die Geräte mit Live-Diensten selbst deutlich teurer als ältere Navis, die ihre Verkehrsdaten noch ausschließlich über den herkömmlichen, rundfunkbasierten Traffic Message Channel (TMC) beziehen. «Navis bekommt man ab 80 Euro, Live-Geräte kosten ab 200 bis 250 Euro», erklärt Möhl. Doch sie bieten Vorteile: Ihre Verkehrsführung sei «wesentlich schneller und genauer». Ein weiteres Feature: Die Internet-Navis verfügen neben den Verkehrsinformationen in Echtzeit über Zusatzdienste.

Vergleichsweise neu dabei ist das Online-Tracking: Bei Kolonnenfahrten können sich die Fahrer auf dem Display wiederfinden, wenn sie sich aus den Augen verloren haben, erklärt Oliver Stauch vom Fachmagazin «Connect». Zudem könnten Autofahrer über eine Google-Volltextsuche wesentlich komfortabler als über die konventionelle Katalogsuche Sonderziele finden. Navi-Nutzer müssen somit nicht mehr in die Tiefen von Menüs eintauchen, um das nächste Hotel, die nächste Apotheke oder Tankstelle aufzuspüren.

Auch Informationen zum Wetter oder den Abflugzeiten an Flughäfen können bequem abgerufen werden. Klassisches Surfen per Browser ist dagegen mit den Nachrüstgeräten marktführender Hersteller wie TomTom, Garmin und Navigon nach wie vor nicht möglich.

Dass Live-Navis die beste Route finden, davon hat sich Fachredakteur Stauch überzeugt. Sein Fazit: «Das funktioniert faszinierend.» In einem von TomTom in Auftrag gegebenen, den Testern zufolge aber «neutralen» Versuch hatte die NavCert GmbH des TÜV Süd im Jahr 2010 festgestellt, dass die TomTom-Technik HD-Traffic die Anzahl und Länge von Staus am genauesten erkennt. Auch der zu erwartende Zeitverlust wurde damit am besten berechnet. Das hat die Mitbewerber offenbar beflügelt: «Die anderen sind seitdem deutlich besser geworden», sagt NavCert-Mitarbeiter Martin Grzebellus.

Die Navi-Hersteller gehen bei der Erhebung der notwendigen Daten unterschiedliche Wege. Laut Grzebellus ist die Technik im Vorteil, die am meisten auf «dynamische Daten» setzt. Denn werden die Informationen nur über Autobahnkameras und Sensorschleifen in der Fahrbahn erhoben, könnten die Geräte nicht wissen, ob bei einer Autobahnvollsperrung die Umfahrung nicht ebenso verstopft ist. Ein «relativ gutes Abbild» der Verkehrslage bekomme man, wenn die Daten mit Hilfe von Bewegungsprofilen der Autofahrer erhoben würden, so Grzebellus.

HD-Traffic etwa wertet anonymisierte Bewegungsdaten der Handys von Vodafone-Kunden aus. Bei der Navteq-Technik, die der Navi-Hersteller Garmin nutzt, sind es laut Teltarif neben Kamera- und Polizeiinformationen auch Nokia-Handys mit GPS, die die Daten liefern. Inrix, die Technik, auf die Navigon setzt, nutzt unter anderem Bewegungsdaten der eigenen Kunden sowie TMC- und ADAC-Informationen. Nach Meinung der Experten hat zwar HD-Traffic, das am längsten am Markt ist, einen gewissen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz. «Doch im Grunde arbeiten alle ähnlich», sagt Stauch.

Ein Kostenpunkt sollte beim Thema Navigation nicht außer Acht gelassen werden - ob bei Live-Navis oder konventionellen Geräten: das Kartenmaterial. Will der Nutzer auf der Höhe der Zeit bleiben, muss er für Karten-Updates zahlen. «Dabei haben die Hersteller verschiedene Modelle», weiß Stauch. Mal gebe es für einmalig 100 Euro alle Karten frei zum Download, mal müssten vierteljährlich 10 Euro gezahlt werden. Für den Fachredakteur spielt die Aktualität der Karten nur eine untergeordnete Rolle: «Ich würde eher auf das neueste Karten-Update verzichten als auf Live-Daten zum Verkehrsfluss.» Von Stefan Weißenborn, dpa

dpa-infocom


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