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Raus aus dem Haus: Der ausgelagerte Keller

Berlin Was nur gelegentlich gebraucht oder als Vorrat gelagert wird, kommt in den Keller.

Doch ein Keller muss heute nicht mehr sein: Wer auf ihn verzichten muss oder will, kann auf eine wachsende Zahl von sogenannten Selfstorage-Lagern zurückgreifen.

Praktisch ist er schon, der Keller. Waschmaschine und Trockner stehen dort unten, ebenso Getränkekisten. Und zwischen Lebensmittelvorräten und Weihnachtsschmuck wartet so mancher Trödel auf den womöglich ziemlich fernen Tag der nächsten Nutzung - oder auf die Entrümpelung.

Keller können aber auch für Frust sorgen - als finsteres Altbaugewölbe voller schlecht gesicherter Holzverschläge etwa. Oder wenn sie so klamm und modrig sind, dass dort die Lagerung hochwertiger Gegenstände oder Lebensmittel unmöglich ist. Allerdings gehört längst nicht zu jeder Mietwohnung überhaupt ein Keller, und nicht jeder Neubau gründet sich darauf. Vorräte oder nur saisonal hervorgeholte Kleidungsstücke können dann ausgelagert werden, in Wintergärten oder Hütten auf dem eigenen Grundstück oder, wer das nicht hat, in eine gemietete Garage.

Garagen und Container werden privat oder gewerblich zu unterschiedlichen Preisen und Konditionen vermietet. Auch Möbelspeditionen bieten häufig Lagerräume an. «Eine durchschnittliche Garage kostet in den Städten zirka 80 bis 150 Euro im Monat, je nach Lage», sagt Rolf Gaßmann, Vorsitzender des Mieterbundes Baden-Württemberg. Öffnungszeiten, Zugangsmöglichkeiten, Komfort und Kündigungsmodalitäten variierten aber erheblich.

Eine Alternative sind die «Selfstorage»-Mieteinheiten, die es seit dem vergangenen Jahrzehnt in den Millionen-Metropolen und inzwischen auch in Städten wie Leipzig, Nürnberg oder Bielefeld gibt. Die gebündelten Lagerboxen befinden sich im Gegensatz zu vielen anderen Mietlagern nicht in entlegenen Gewerbeparks, sondern in relativer Nähe zu Wohngebieten und sind nach Größe und Mietdauer frei wählbar.

«Zu 70 Prozent werden die Boxen privat genutzt. Die meisten nur vorübergehend, manche auch über Jahre», sagt Martin Brunkhorst, Vorstandssprecher des Verbandes deutscher Selfstorage-Unternehmen in Wiesbaden. In den USA und Großbritannien ist Selfstorage - zu deutsch Selbstlagerung - seit den 60er Jahren weit verbreitet. Dass es jetzt auch in Deutschland Akzeptanz findet und immer neue Standorte hinzukommen, erklärt Brunkhorst so: «Die Nachkriegsgenerationen haben im Lauf der Jahre Wohlstand angesammelt, hinzu kommt der gesellschaftliche Strukturwandel hin zur mobileren Gesellschaft.» So würden die, die längere Zeit im Ausland verbringen und dann zurückkehren, die Boxen vornehmlich nutzen.

Das System ist bequem. Nach dem vor kurzem eingeführten DIN-Standard (EN 15696) haben die klassifizierten «Selfstorage»-Lager mindestens von 6.00 bis 22.00 Uhr geöffnet und werden belüftet und beheizt. Jeder Mieter kann seine Box zudem mit eigenem Zugangscode ohne Anmeldung besuchen. «Nur Tiere, Brennbares, Illegales, verderbliche Nahrungsmittel oder übelriechende Dinge dürfen nicht in die Box», erläutert Brunkhorst.

Der Mietpreis für die kleinstmögliche Einheit von einem Kubikmeter, in der laut Brunkhorst 14 Umzugskartons gestapelt werden können, beträgt durchschnittlich 29 Euro im Monat. Je nach Größe und Mietdauer vergünstige sich die Rate.

«Als temporäre Lösung, zum Beispiel als Ausweichmöglichkeit bei Renovierungen oder Umzügen, ist das eine großartige Geschichte», sagt Eva Reinhold-Postina vom Verband Privater Bauherren (VPB) in Berlin. «Den eigenen Keller als Funktionsraum kann 'Selfstorage' aber sicher nicht ersetzen.» Sie rät, zumindest einen Hauswirtschaftsraum beim Neubau einzuplanen, wo in jederzeit greifbarer Nähe Platz für Waschmaschine, Bügelbrett, Bohrmaschine und Schraubstock ist. Von Gian-Philip Andreas, dpa

dpa-infocom


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