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Pfleger oder Case-Manager: Jobs im Gesundheitssektor

Berlin Einsteigen oder Weiterbilden: Der Mangel an Fachkräften in der Gesundheitsbranche schafft neue Jobs.

Krankenhäuser und Praxen suchen nicht nur Ärzte und Pfleger. Zukünftig sind auch ganz neue Berufe gefragt - zum Beispiel Patienten-Manager.

Nach Berechnungen des Beratungsunternehmens Pricewaterhouse Coopers (PwC) werden in knapp 20 Jahren fast eine Million Fachkräfte im Gesundheitsbereich fehlen. «Zwischen 2020 und 2030 wechseln die Babyboomer-Jahrgänge die Fronten. Sie sind dann nicht mehr Anbieter von Gesundheitsleistungen, sondern werden Nachfrager», erklärt PwC-Gesundheitsexperte Harald Schmidt.

Einer Befragung der Ärztegewerkschaft Marburger Bund zufolge fehlen den Kliniken rund 12 000 Ärzte. Nach Zahlen von PwC fehlen im Jahr 2020 fast 56 000 Ärzte. Dazu kommen weitere 140 000 Fachkräfte im nicht-ärztlichen Bereich.

«Im Gesundheitssektor wird eigentlich jede Fachkraft gebraucht», sagt Arbeitsmarktexpertin Judith Wüllerich von der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg. Wer beispielsweise eine Weiterbildung im Bereich Endoskopie oder ambulantes Operieren absolviert hat, ist auf dem Arbeitsmarkt gefragt.

«Besonders in spezialisierten Praxen wird Personal gebraucht», erklärt Sabine Ridder, Präsidentin des Verbandes medizinischer Fachberufe. Neue Berufe entstehen auch in den Krankenhäusern: Case-Manager übernehmen die komplette Organisation von der Patientenaufnahme bis zur Entlassung. Gefäßassistenten entlasten Ärzte in der Gefäßchirurgie und operationstechnische Assistenten übernehmen teils ärztliche Aufgaben.

Das Personal in den Kliniken spezialisiert sich: «Das fängt bei sechs Monate langen Weiterbildungen an und hört beim Bachelor- und Masterstudium auf», sagt Ralf Neiheiser von der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) in Berlin. Waren die Aufstiegschancen für Krankenschwestern und -pfleger früher eher begrenzt, sind sie heute deutlich besser.

Noch nicht alle Weiterbildungen sind bisher staatlich anerkannt oder bundeseinheitlich geregelt. Für viele hat die Deutsche Krankenhausgesellschaft aber Empfehlungen verfasst. Wer bereits eine Ausbildung absolviert hat und sich weiterbilden möchte, sollte deshalb mit der Personalabteilung des eigenen Krankenhauses sprechen und die Empfehlungen der DKG studieren.

Aufgrund des zu erwartenden Fachkräftemangels müssen sich Arbeitnehmer und Selbstständige allerdings auf eine hohe Arbeitsbelastung einstellen. «In den Krankenhäusern werden die Schwestern im Jahr 2030 durchschnittlich 60 Stunden in der Woche arbeiten müssen, wenn die Versorgungsqualität nicht absinken soll», sagt Schmidt.

«Mehr Geld wird es für das Gesundheitssystem insgesamt nicht geben», sagt Schmidt. Um die steigende Nachfrage bewältigen zu können, ohne 60 Stunden in der Woche zu arbeiten, müssten die vorhandenen Ressourcen «intelligenter eingesetzt werden». Experten sehen deshalb gute Chancen für sogenannte Medizinische Versorgungszentren, gerade in ländlichen Gebieten. Sie sollen Kliniken und Einzelpraxen ersetzen und Ressourcen bündeln.

PwC-Studie zum Fachkräftemangel

Arbeitsmarktübersicht (pdf) Chancen im Wellness-Bereich Nicht nur im Bereich der klassischen medizinischen und therapeutischen Versorgung wird es in Zukunft eine starke Nachfrage nach Fachpersonal geben - sondern auch im Wellness-Bereich. Nach Ansicht von Judith Wüllerich von der Bundesagentur für Arbeit wird der privat finanzierte Gesundheitssektor ebenfalls zunehmen. «Bereiche, die mit Wellness und Schönheit zusammenhängen, wie Massagen, Erholungstherapien oder Schönheitsoperationen, wachsen», sagt die Arbeitsmarktexpertin. Von Vivien Leue, dpa

dpa-infocom


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