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30 Jahre Musik-CD: Vom Goldesel zum Auslaufmodell

Berlin Die CD ist allgegenwärtig. Doch ihre Zeit läuft ab.

Die 30 Jahre der Compact Disc sind die faszinierende Geschichte einer Technologie, die die Welt veränderte - und in sich den Schlüssel zu ihrem eigenen Niedergang trug.

Vor 30 Jahren hat die CD-Revolution die Musikwelt für immer verändert. Als Star-Dirigent Herbert von Karajan am 15. April 1981 mit Vertretern der Erfinder-Firmen Philips und Sony den Startschuss für die Vermarktung der neumodischen «Compact Disc» gab, da ahnte niemand, was das für Folgen haben würde. Die CD wurde auf Jahre zum beherrschenden Format. Viel wichtiger noch: Sie läutete die digitale Ära ein, in der Musik ohne Qualitätsverlust kopiert werden kann.

Um fair zu sein, zum Geburtstag der CD kann man auch manchen anderen Moment erklären: Etwa einen Tag im März 1979, an dem Philips seinen Compact-Disc-Prototypen der Öffentlichkeit präsentierte. Oder die Veröffentlichung des endgültigen Standards mit dem inzwischen dazugekommenen Partner Sony im Jahr darauf. Oder die Produktion der ersten CDs in Langenhagen bei Hannover und den Verkaufsstart 1982. Die ersten Scheiben waren übrigens «The Visitors» von ABBA und die Alpensinfonie von Richard Strauss, dirigiert von Karajan. Klassik und Karajan waren bewusst als Zugpferde für das neue Format gewählt worden: Liebhaber anspruchsvoller Töne galten der Industrie als vielversprechende Zielgruppe.

Die Legende besagt sogar, dass für Durchmesser und Spieldauer der CD - 12 Zentimeter und 74 Minuten - Ludwig van Beethoven Pate stand. Die Vorgabe an die Ingenieure sei gewesen, Beethovens 9. Sinfonie auf eine Silberscheibe zu bekommen.

Ob diese Geschichte nun stimmt oder nicht, die CD wuchs schnell aus der Klassik-Nische heraus. Während Klangpuristen beim digitalen Format einen trockenen oder eingeengten Sound beklagten und sich an ihre Schallplatten klammerten, war die breite Masse der Verbraucher schnell überzeugt. Schon 1985 kam der Wendepunkt: «Brothers in Arms» von Dire Straits verkaufte sich als erstes Album mehr als eine Million Mal auf CD, und das neue Format überholte den LP-Absatz. Die Plattenfirmen sollen sich zu dieser Zeit um die noch relativ knappen Produktionslinien gerissen haben, die damit ausgelastet waren, das Hit-Album zu pressen.

Die 80er wurden dank der kleinen Silberscheibe zu goldenen Jahren für die Musikindustrie. Nicht nur Chartstürmer wie Michael Jackson oder Madonna füllten ihre Kassen. Ob Beatles oder Bee Gees, die Kunden kauften sich auch millionenfach Musik, die sie schon besaßen, noch einmal auf CD.

Das Glück währte jedoch nicht lange. Denn Anfang der 90er Jahre entfesselten deutsche Forscher die revolutionäre Seite der Digitalisierung. Am Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen in Erlangen entwickelte ein Team um Professor Karlheinz Brandenburg das Format MP3. Der Clou: Damit ließen sich die Musikdateien auf etwa ein Zehntel der CD-Größe reduzieren. MP3 war eigentlich für Radioübertragungen und die Musikindustrie gedacht, doch die Verschlüsselung wurde geknackt, und plötzlich konnte jeder eine CD nicht nur kopieren, sondern auch im Internet tauschen.

Mit der Geburt der Musikpiraterie begann auch der Niedergang der CD. Wer bezahlt schließlich gerne für etwas, was er auch umsonst haben kann? Paradebeispiel ist die Musiktauschbörse Napster, die auf ihrem Höhepunkt mehr als 60 Millionen Nutzer hatte. Die Plattenindustrie schlug mit Klagen dagegen, erwischte einige glücklose Musikkopierer, Napster ging vom Netz und ist mittlerweile Namensgeber eines legalen Musikdienstes im Internet. Doch für die CD spielt das Internet das Lied vom Tod.

Apple startete 2003 den Online-Verkauf von Musik in seinem iTunes-Store und ist inzwischen der weltgrößte Musikverkäufer. Die Online-Erlöse machten im vergangenen Jahr zwar erst 29 Prozent des weltweiten Musikgeschäfts aus, doch ihr Anteil wächst Jahr für Jahr, während der CD-Absatz noch schneller zurückgeht.

Hinterhertrauern muss man der CD nicht unbedingt: Schließlich ist es eine 30 Jahre alte Technologie, die bei weitem nicht die bestmögliche Qualität bietet. «Es ist schon wahnwitzig», sagt ein Brancheninsider. «Erst geben manche Künstler Millionen aus, um im Studio den bestmöglichen Sound zu bekommen - dann flachen wir ihn ab für die CD. Und dann drücken die Leute die Dateien nochmal für ihre MP3-Player.» Inzwischen gibt es allerdings auch Download-Formate, die eine bessere Soundqualität als die CDs bieten. Sie gelten als die Zukunft. Allerdings hat die CD noch zwei Bastionen: Weihnachten und Muttertag. Denn wer verschenkt schon einen Download - noch zumindest. Von Andrej Sokolow, dpa

dpa-infocom


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