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Sei laut! Stimmtherapie für Parkinson-Patienten

Mainz Zittern, Versteifen, starre Muskeln sind typische Symptome der Parkinson-Krankheit.

Bei den meisten Patienten ist auch die Stimme betroffen - Logopäden können hier mit einer Therapie helfen.

Dass irgendetwas nicht stimmt, fiel ihm vor gut fünf Jahren auf, als seine Studenten sich mehr und mehr über seine Handschrift an der Tafel beschwerten. Und weil ihm immer öfter die richtigen Worte fehlten in seinen Vorlesungen. Eine Untersuchung im Krankenhaus brachte Klarheit. Hanns Cronen, Professor für Eisenbahn- und Verkehrswesen, leidet an Morbus Parkinson. «Dass ausgerechnet die Sprache betroffen war, war für mich besonders schlimm», sagt Cronen. «Sprechen war ja für mich meine tägliche Arbeit.»

Die Deutsche Parkinson Vereinigung schätzt, dass in Deutschland zwischen 240 000 und 280 000 Menschen an der Parkinson-Krankheit leiden. Etwa 95 Prozent der Betroffenen hätten zu irgendeinem Zeitpunkt Probleme mit ihrer Stimme, erklärt Thomas Brauer , Leiter der Lehranstalt für Logopäden an der Mainzer Universitätsmedizin. Sie sprechen zunehmend leiser und undeutlicher. Dadurch nähmen auch Artikulationsbewegungen von Kiefer, Zunge und Wangenmuskulatur ab.

«Die Patienten selbst bemerken das nicht und glauben, dass sie nach wie vor gleich laut sprechen», erläutert Brauer. Das Gehirn gewöhne sich mit der Zeit an die leiser werdende Stimme und speichere die geringere Stimmlautstärke als «normal» ab. Der Patient spreche dann irgendwann so leise, dass er kaum noch verstanden werde. Viele Parkinson-Patienten zögen sich dann sehr stark zurück. Manche litten auch unter Depressionen, sagt Brauer.

Seit 2007 gibt es an der Mainzer Universitätsmedizin eine spezielle Therapie, die Abhilfe schaffen soll: Lee Silverman Voice Treatment (LSVT) stammt aus den USA und soll Parkinson-Patienten helfen, gegen das Leiserwerden ihrer Stimme zu kämpfen. Mainz war eine der ersten Städte in Deutschland, in der diese Therapieform angeboten wurde. Der erste Teilnehmer hier war Hanns Cronen.

Während der vierwöchigen Therapie kommen die Patienten vier Tage die Woche jeweils eine Stunde lang zum Logopäden und müssen außerdem zu Hause mindestens ein Mal am Tag üben, laut zu sein. Die Motorik müsse ständig trainiert werden, betont Brauer. Dadurch gewöhne sich das Gehirn wieder an die normale Lautstärke und auch die Artikulation werde wieder besser.

Videoaufnahmen vor und nach der Therapie zeigen den Patienten, welchen Fortschritt sie gemacht haben. Auch für Cronen war das Video ein Aha-Moment: «Ich hatte das gar nicht gemerkt, dass ich so schlecht und so leise gesprochen habe», erinnert sich der 69-Jährige. «Da war ich dann doch sehr überrascht.»

Bundesweit gebe es inzwischen rund 500 Logopäden, die LSVT-zertifiziert seien, sagt Brauer. «Es ist nicht so, dass wir mit dieser Therapie heilen können», erklärt der Lehr-Logopäde. «Mit dem Voranschreiten der Krankheit kann auch die Stimme wieder schlechter werden.» Nach der Therapie bleibe die Stimme in der Regel aber sechs bis zwölf Monate stabil.

Die Patienten müssen ihre Stimme regelmäßig und konsequent weiter trainieren, sagt der Experte. Die Behandlung von Hanns Cronen liegt inzwischen schon fast vier Jahre zurück. Ein Mal hat er bisher einen Auffrischungskurs gemacht. Für die Therapie würde sich Cronen jederzeit wieder entscheiden. «Wenn man sich zurückzieht, weil man denkt, es geht nicht mehr so wie früher, dann geht es irgendwann gar nicht mehr.»

Deutschen Parkinson Vereinigung im Web

Thomas Brauer stellt sich vor

Die Lehranstalt für Logopäden Von Franziska von Tiesenhausen, dpa

dpa-infocom


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