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Formel 1 in der Bahrain-Zwickmühle

Barcelona Moral oder Moneten: Das Weltrats-Votum über eine Neuansetzung des Grand Prix von Bahrain bringt die Formel 1 gewaltig in die Zwickmühle.

Der Internationale Automobilverband FIA muss am 3. Juni in Barcelona entscheiden, ob er dem Drängen von Bernie Ecclestone nach frischen Petrodollars nachgibt oder eher den Warnungen von Rennställen und Menschenrechtsaktivisten folgt. «Wenn dort Frieden herrscht und alle glücklich sind, dann freuen wir uns, ihnen das Rennen zu ermöglichen», sagte Chefvermarkter Ecclestone.

Als Nachholtermin für das Wüstenrennen, das wegen der politischen Unruhen im Golfstaat im Februar abgesagt worden war, ist nun der 30. Oktober im Gespräch. Doch trotz der Aufhebung des Ausnahmezustands bleibt die Sorge um die Sicherheit des Grand Prix und die Unklarheit über die tatsächliche Lage im Königreich.

Hinzu kommt der Unmut der Teams über eine mögliche Verlängerung der ohnehin kräfteraubenden Saison um weitere zwei Wochen, weil das Indien-Debüt zugunsten von Bahrain auf den 11. Dezember verschoben werden soll. «Das ist total inakzeptabel», schimpfte Mercedes-Teamchef Ross Brawn. In Monte Carlo sollen die Teams in der Vorwoche ihr Veto gegen diese Variante eingelegt haben.

Doch für Ecclestone geht es um Millionen. Großmütig hatte der Formel-1-Geschäftsführer den Bahrainis nach der Absage zunächst die Gebühren für die Austragung des Saisonauftakts erlassen. Nun könnte das Geld für das Rennen doch noch in die Kasse des Briten fließen. Die Inder hätten wohl kein Problem mit dem Tausch, zumal sie dann anstelle von Brasilien das Saisonfinale ausrichten würden. «Im Dezember ist das Wetter kälter und hätte keinen Einfluss auf das Rennen», erklärte Force-India-Teamchef Vijay Mallya.

«Wenn es nach uns geht, wir sind bereit», sagte Zayed Rashed Al Zayani, Chef des Bahrain International Circuit. «Wir denken, wir sind in einer Position, das Rennen zurückzubekommen. Es ist wieder alles ruhig, das Leben ist zur Normalität zurückgekehrt.»

Die Menschenrechts-Organisation Human Rights Watch sieht das anders. In einem Brief an FIA-Präsident Jean Todt und den McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh, der zugleich die Teamvereinigung FOTA führt, warnten die Aktivisten eindringlich vor einer Rückkehr der Formel 1 nach Bahrain. Nicht zuletzt deshalb, weil zahlreiche Strecken-Mitarbeiter im Zuge der Unruhen verhaftet worden seien und ihr Schicksal zum Teil völlig unklar sei.

Am 2. Juni machte auch das Online-Netzwerk Avaaz.org mit einer Internet-Petition gegen das Bahrain-Rennen mobil. Unter anderem wurde Sebastian Vettels Arbeitgeber Red Bull aufgefordert, sich gegen einen Start im Königreich auszusprechen. Unterstützt wird die Aktion vom früheren Weltmeister Damon Hill. «Wenn die Formel 1 in Bahrain fährt, wird sie immer den Schatten tragen, mit repressiven Methoden zum Erhalt von Ordnung verbunden zu werden», wurde der Brite zitiert.

Mit der politischen Debatte allerdings tun sich viele in der Formel 1 nicht leicht. «Das ist eine schwierige Lage in Bahrain, aber wir betreiben Sport. Wenn man dort fährt, fahren wir, wenn nicht, nicht. Wir beschäftigen uns nicht mit etwas, was wir nicht beeinflussen können», sagte Whitmarsh der Nachrichtenagentur dpa. Renault-Teamchef Eric Boullier meinte: «In die politische Diskussion möchte ich lieber nicht einsteigen.»

Der Hintergrund: Wohl kein Team will mit forschen Aussagen potenzielle arabische Investoren verprellen. Auch wenn sich die FIA gegen ein Nachholrennen in Bahrain entscheiden sollte - spätestens im nächsten Jahr ist definitiv eine Rückkehr absehbar. «Wir denken, dass Bahrain ein toller Ort ist, wo die Formel 1 hin muss», urteilte Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali. Von Christian Hollmann, dpa

dpa-infocom


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