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Kurt Tucholsky:

"Gegen einen Ozean pfeift man nicht an"

Hamburg (dpa) - Kurt Tucholsky hat seine Arbeit als Satiriker und Journalist von 1913 bis 1930 selbst so beschrieben: Er habe sich "als Pazifist schärfster Richtung in Deutschland betätigt, im Rahmen der Gesetze, mit feinen und leisen Mitteln in der Kunst und mit den gröbsten für die Massen".

In kunstvollen, kleinen Geschichten nahm er liebevoll-ironisch und bissig die Schwächen seiner Mitmenschen aufs Korn. In Artikeln attackierte er Dummheit, Militarismus, Kadavergehorsam, Obrigkeitsdenken, Justizwillkür und Nationalismus in Deutschland. Er schrieb vor allem für die Berliner Wochenschrift "Die Weltbühne" und die "Vossische Zeitung" und nutzte mindestens vier Pseudonyme: Peter Panter, Ignaz Wrobel, Kaspar Hauser und Theobald Tiger.

Als Sohn eines angesehenen jüdischen Bankkaufmanns war Tucholsky am 9. Januar 1890 in Berlin geboren worden. Im Ersten Weltkrieg diente der Dr. jur. dreieinhalb Jahre lang als Soldat. Danach suchte Tucholsky seine Heimatstadt zu meiden. 1924 ging er zunächst als Korrespondent nach Paris, 1929 übersiedelte er nach Schweden. Den Wert der Zeitschriften, für die er schrieb, schätzte er so ein: Es sei nicht entscheidend, "ob sie, gedruckt im Jahre 1932, auch noch im Jahre 1989 lesbar ist, sondern daß es darauf ankommt, seine Zeitgenossen zu packen, aufzuwühlen, zu bilden und zu fassen".

Der engagierte Humanist und Schriftsteller wollte der Vernunft in Deutschland zum Sieg verhelfen. Doch er stieß auf Ignoranz. Die Nationalsozialisten übernahmen die Macht und bürgerten ihn aus. Krank an Körper und Seele nahm sich Tucholsky in Schweden am 21. Dezember 1935 das Leben. Erich Kästner sagte danach: "Ein kleiner dicker Berliner wollte mit der Schreibmaschine eine Katastrophe aufhalten". Doch Tucholsky hatte selbst erkannt: "Gegen einen Ozean pfeift man nicht an." Foto: Keystone

Siehe auch: "Soldaten sind Mörder" - Anklage und Freispruch 1932


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