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. . . Über 100 Opfer der "k.o.-Tropfen-Bande"

Auch die bislang festgestellte Zahl von vier Todesopfern bei Überfällen ist möglicherweise zu gering. "Wir gehen mehreren ungeklärten Todesfällen nach", sagte Oberstaatsanwalt Günther Heydner. Dabei seien Exhumierungen geplant.

Die drei Täter aus dem oberfränkischen Selb, ein 27jähriger Kroate, sein 30 Jahre alter Landsmann sowie ein 20jähriger Deutsch-Rumäne, haben bei den Überfällen nach ersten Polizeischätzungen mindestens 150 000 Mark Beute gemacht. Als Betäubungsmittel verwendeten die Männer verschreibungspflichtige Tabletten für Schizophrene und vermischten sie mit Schnaps. Gegen die drei Männer wird wegen Raubes mit Todesfolge und schweren Raubes ermittelt. Heydner schloß jedoch eine Mordanklage für die beiden älteren Täter nicht aus.

Das Trio suchte sich seit Ende 1991 bevorzugt im Bahnhofs- und Rotlichtmilieu von Nürnberg und München Opfer, berichtete Kriminaloberkommissar Werner Siebenburg von der Sonderkommission. Je ein Fall wurde auch in Passau, Regensburg und Hof verzeichnet. Die Täter sprachen Deutsche sowie Kroaten und andere Ausländer an und animierten sie, mit in eine Kneipe zu fahren. Unterwegs erhielten die Opfer das präparierte Fläschen Kräuterschnaps. Unter den Opfern waren auch Homosexuelle.

"Das Mittel ist so stark, daß die Opfer binnen 15 Minuten in Bewußtlosigkeit verfielen", erklärte von der Grün. Dann wurden die Betäubten ausgeplündert und "wie ein Müllsack" auf Parkplätzen abgelegt. Dabei starben ein 33jähriger Mechaniker aus Allersberg bei Nürnberg am 5. August dieses Jahres und ein 49 Jahre alter Münchner im Januar 1994 an einer Überdosis durch Kreislaufversagen.

Ein 20jähriger Fürther starb im Dezember 1994 an Kreislaufversagen und Unterkühlung. Ein 25jähriger aus Murnau torkelte nach dem Wiedererwachen am 17. März dieses Jahres völlig orientierungslos auf der Autobahn bei Weilheim in Oberbayern herum, wurde von einem Fahrzeug erfaßt und getötet.

Lebensgefährliche Verletzungen erlitt ein 26jähriger Kranführer aus Nürnberg, der im November 1993 nach der Betäubung auf der Autobahn bei Erlangen angefahren wurde. Ein weiteres Opfer der Bande, ein 60jähriger Rentner aus Nürnberg, wurde im August nach der Betäubung schon klinisch tot an einem Waldparkplatz gefunden und konnte durch einen von Spaziergängern gerufenen Notarzt gerade noch reanimiert werden.

Von den Opfern der Bande konnten bislang erst 20 namentlich identifiziert werden. Von rund weiteren 80 Männern fand die Polizei Schmuckstücke und Armbanduhren bei den Tätern. Der erste der Täter wurde im August dieses Jahres festgenommen. Ein Zeuge hatte sich das Nummernschild des Autos gemerkt, in das ein Opfer eingestiegen war. Der 30jährige verriet bei der Polizei seine beiden Komplicen, die ebenfalls festgenommen wurden.


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