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400. Todestag von Sir Francis Drake

Freibeuter der Königin

Hamburg (dpa) - In Spanien läuteten die Kirchenglocken, Priester zelebrierten Dankgottesdienste. Am Hof von Philipp II. herrschten Freude und Erleichterung. Der Anlaß: Die Nachricht vom Tod des großen Feindes des Königreiches, Francis Drake. der Freibeuter und Admiral der verhaßten englischen Königin Elizabeth I. war am 28. Januar 1596 in der Karibik an einer Fieberkrankheit gestorben. Die Besatzung seines Schiffes übergab seinen Leichnam vor Portobelo (Panama) dem Meer.

Wie kein anderer Seefahrer seiner Zeit trug Drake zur Veränderung der politischen Landkarte bei. Er brach die Vormachtstellung der Spanier auf den Meeren und schuf die Grundlagen für Englands Aufstieg zur maritimen und kolonialen Weltmacht. Mit seinen ungewöhnlich reichen Beutezügen gegen die spanische Flotte füllte er die Staatskasse seiner Herrscherin, die den berüchtigten und gefürchteten Piraten dann auch demonstrativ in den Adelsstand erhob.

Der "Drache" war von Kindesbeinen an Seemann

Drake, den die Spanier später "El Draque" (Drachen) nannten und mehr fürchteten als Sturm und See, kam zwischen 1540 und 1543 in der südwestenglischen Grafschaft Devonshire zur Welt; weder der Geburtstag noch das Geburtstagsjahr stehen fest. Schon im Alter von 13 Jahren heuerte er als Schiffsjunge auf einem Küstensegler an, mit 23 kreuzte er bereits in den Gewässern der Neuen Welt. Hier traf er erstmals auf die Spanier, die sein Schiff angriffen.

Über die Weltmeere herrschte zu dieser Zeit praktisch unumschränkt der streng katholische König Philipp II. Potentieller Feind, auch aus Glaubensgründen, war das vom katholischen Glauben abtrünnige England. Denn die Flotte von Königin Elizabeth I. hatte es auch auf die Galonen abgesehen, die die in den spanischen Kolonien Amerikas geplünderten Gold- und Silberschätze ins Mutterland transportierten. Den ersten Schlag führte der "Drache" als Schiffskommandant 1572 gegen die Hafenstadt Nombre de Dios, das heutige Colon in Panama.

Am 15. November 1577 brach Drake zu seiner berühmt gewordenen Weltumseglung auf. Er fuhr über den Atlantik durch die Magellan-Straße in den Pazifik und überfiel dort die völlig überraschten Spanier. Auf dieser Reise segelte der Korsar auf der Suche nach einer Passage zum Atlantik bis Kanada, durchquerte den Pazifik und den Indischen Ozean, um dann über das Kap der Guten Hoffnung heimzukehren. Sein Flaggschiff "The Golden Hind" lief am 26. September 1580 wieder in Plymouth ein, schwer beladen mit Beute.

Der Protest gegen die Piraterie ließ die Königin kalt

Spaniens Herrscher protestiere wütend gegen den Piraten. Doch Elizabeth I. ließ sich nicht beeindrucken. Im Gegenteil. Sie besuchte Drake sogar auf dessen Schiff und ließ ihn zum Ritter schlagen. Die Hafenstadt Plymouth machte den Freibeuter zu ihrem Bürgermeister. Er war populär, beliebt. Hochnäsige Kapitäne aus Adelsgeschlechtern sahen in ihm jedoch nur einen Aufsteiger. Der brachte es immerhin zum Admiral der Königin.

Mit ihren Geschwadern wurden "El Draque" und die anderen englischen Freibeuter immer mehr zur Gefahr für die spanische Flotte. Der Admiral überfiel Santiago auf den Kapverdischen Inseln, plünderte das reiche Cartagena in Kolumbien und Städte in Santo Domingo. Die Auswirkungen waren verheerend, Spaniens Kreditwürdigkeit sank.

Philipp II., moralisch unterstützt von Papst Sixtus V., bereitete den Krieg gegen England vor. Offiziell begründete er den Feldzug damit, die "Ketzerin" in England vom Thron stoßen zu wollen, die die katholische Königin Maria von Schottland hatte auf dem Schafott hinrichten lassen.

Drake trat in Aktion. Im Sommer 1587 griff er mit 24 Schiffen Cadiz an, den Haupthafen der Westindiensegler. Er hinterließ schwere Verwüstungen. Auf dem Rückzug kaperte er noch die "San Felipe", das größte Kauffahrtschiff dieser Zeit. Es gehörte zum persönlichen Besitz des spanischen Königs. Im Jahr darauf ließ Philipp II. seine als unbezwingbar geltende Armada mit fast 130 Schiffen vor der englischen Küste aufkreuzen.

Das Ende der spanischen Seeherrschaft begründete Englands Größe

Die zahlenmäßig schwächeren, taktisch aber besseren Engländer (Drake war Vize-Admiral der Verteidiger) fügten den Spaniern in Seeschlachten drei Niederlagen zu. Als die Reste der Armada um Schottland herum den Rückzug in die Heimat antrat, geriet sie in schwere Herbststürme. Von den Verlusten hat sich die Flotte nicht mehr erholt, auf den Weltmeeren dominierten fortan die Engländer.

Am 28. August 1595 brach Sir Francis Drake mit 27 Schiffen und 2 500 Mann zu einer neuen Kaperfahrt in die Karibik auf, die seine letzte Reise werden sollte. Eine tropische Fieberkrankheit dezimierte die Mannschaft und befiel auch den Admiral. Er starb daran. Horst Heinz Grimm


Last edited: jo@rhein-zeitung.de 12.06.1998 06:30