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Nackte "Lady Godiva" im Gotteshaus

Coventry (dpa) - Während eines Gottesdienstes zu Ehren des Automobils im Dom der mittelenglischen Stadt Coventry hat am Mittwoch eine splitternackte "Lady Godiva" lauthals protestiert. "Ich bin hier, um den Tod meiner Mutter zu beklagen und den Tod der anderen 17 Millionen Menschen, die bisher bei Autounfällen ums Leben gekommen sind", rief sie vor mehreren hundert Kirchenbesuchern. Ein Polizist hüllte sie schließlich in seinen Mantel und führte sie aus dem Dom.

Der Kritik der Frau, die sich auf die Sage von einer im 11. Jahrhundert aus Protest nackt durch Coventry gerittenen Lady bezog, schlossen sich vor der Kirche einige hundert Angehörige von Verkehrsopfern sowie Umweltschützer an. Sie störte vor allem, daß bei dem Gottesdienst zwei Autos durch den Mittelgang der Kirche fuhren, ein 1897 gebauter Oldtimer und ein moderner Elektrowagen.

"Wie kann man nur für Autos eine Messe halten?" kritisierte eine Demonstrantin der britischen Grünen. "Das ist nur möglich, weil die Autoindustrie die Macht und das Geld hat." Bereits vor der kirchlichen Feier hatten "Freunde der Erde" und der frühere Bischof von Birmingham, Hugh Montefiore, protestiert, daß die Kirche "zum geheiligten Ausstellungsraum für Autos" gemacht werde.

Coventrys Domprobst John Petty hielt der Kritik die Bedeutung des Autos entgegen: "Die britische Autoindustrie hat vor 100 Jahren die ganze Gesellschaft mobilisiert und vielen tausend Menschen Arbeit gegeben."

Leider lag uns bis zum Redaktionsschluß kein Foto der Protestaktion vor ;-)


Last edited: jo@rhein-zeitung.de 12.06.1998 06:30