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Zwei Jahre Gefängnis und 180.000 Mark

Maurizio Gaudino erhielt Bewährungsstrafe wegen Versicherungsbetrugs

Mannheim (sid) Maurizio Gaudino ist mit einem blauen Auge davongekommen: Am Mittwoch verurteilte das Amtsgericht in Mannheim den ehemaligen Fußball-Nationalspieler wegen Versicherungsbetruges mit als gestohlen gemeldeten Autos zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren, die auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Zudem muß Gaudino eine Geldbuße in Höhe von 180.000 Mark bezahlen. Das Geld fließt an vier Drogen-Therapieanstalten im Großraum Mannheim. Damit blieb das Gericht unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die für Gaudino eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und vier Monaten ohne Bewährung gefordert hatte. Der 29 Jahre alte Mittelfeldspieler, der derzeit vom Bundesligisten Eintracht Frankfurt nach Mexiko ausgeliehen ist, wurde für schuldig befunden, in den Jahren 1992 und 1993 in drei Fällen tatkräftige Mithilfe zum Versicherungsbetrug mit Autos geleistet zu haben.

Tips für die "Freunde"

Gaudino hatte seinen Freunden Tips gegeben, auf welchen Wegen man die Fahrzeuge verschwinden lassen könne, um sie anschließend bei der Polizei als gestohlen zu melden und die Versicherungssummen zu kassieren. Der Gesamtschaden für die Versicherungen belief sich auf rund 195.000 Mark.

Unklar blieb, ob Gaudino selbst Geld für seine Dienste kassiert hat. Am Dienstag behaupteten zwei Zeugen in ihrer Vernehmung vor dem Mannheimer Amtsgericht, der Profi habe insgesamt 7.000 Mark für seine Tips bekommen.

"Es gibt gar keinen Zweifel daran, Herr Gaudino, daß das, was Sie gemacht haben, eine ganz große Sauerei war", erklärte der Vorsitzende Richter Uwe Kämmerer in seiner Urteilsbegründung. Das Gericht sei zu der festen Überzeugung gekommen, daß Gaudino für seine Tätigkeit kleine Beträge eingesteckt habe, so Kämmerer weiter.

Ein Stein vom Herzen gefallen

Gaudino selbst wollte sich am Mittwoch noch nicht festlegen, ob er die Höhe der Geldbuße akzeptieren werde. "Darüber werde ich mit meinen Anwälten beraten", meinte der gebürtige Italiener.

Insgesamt aber sei ihm ein Stein vom Herzen gefallen, "als ich gehört habe, daß ich mit einer Bewährungsstrafe davonkomme", befand Gaudino: "Es wurde reiner Tisch gemacht und jetzt kann ich mich wieder auf den Fußball konzentrieren." Am Donnerstag fliegt Gaudino nach Mexiko-Stadt, wo der frühere Stuttgarter mit seinem Verein Club de Football America am Sonntag ein Meisterschaftsspiel zu bestreiten hat.
Thomas Haid


Last edited: jp@rhein-zeitung.de 12.06.1998 06:31