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Weltcup-Super-G in Garmisch

Glanzlicht Krauss nach zwei Tagen Chaos

Garmisch (sid) Eine Woche vor Beginn der Weltmeisterschaft in der Sierra Nevada leben die totgeglaubten deutschen Ski-Herren immer mehr auf: Drei Tage nach dem glänzenden achten Platz von Max Rauffer (Leitzachtal) in der Abfahrt sorgte Stefan Krauss aus Berchtesgaden beim Weltcup-Super-G in Garmisch erneut für ein Glanzlicht.

Der 28 Jahre alte Oberfeldwebel raste nach zwei Tagen Termin-Hickhack und Nebel-Chaos unbeeindruckt auf den fast schon sensationellen vierten Platz und sorgte damit für das beste Weltcup-Resultat der deutschen Herren seit dem dritten Riesenslalom-Rang von Tobias Barnerssoi im Januar 1994 in Kranjska Gora. "Das freut mich riesig. Das gibt Selbstvertrauen für die WM", sagte Krauss (1:20,30 Minuten) im Ziel.

Dort mußte der Familienvater allerdings eine halbe Ewigkeit warten, ehe seine beste Weltcup-Plazierung feststand. Weil die 2.360 Meter lange "Kandahar"-Strecke nach 16 Läufern mehr als 55 Minuten lang ausgebessert werden mußte, erlebte Krauss seine Sternstunde im Bus des Weltcup-Sponsors - und feierte gleich mit einem Pils seinen bisher größten Zahltag: 3.500 Mark gab's als Prämie aus dem Pool des Deutschen Ski-Verbandes (DSV), weitere 9.000 vom Veranstalter, der das Gesamtpreisgeld nach dem Ausfall der Abfahrt am Samstag und am Sonntag auf die Weltcup-Rekordsumme von 100.000 Mark netto erhöht hatte. "Das war wirklich eine gute Leistung", sagte Krauss, "ich bin echt happy, zumal die Leute vor mir ja auch keine Blinden sind."

Krauss unbeeindruckt

Krauss blieb auch völlig unbeeindruckt von den Diskussionen, die während der Unterbrechung des Rennens entstanden. "Die Piste ist zu gefährlich. Es ist besser, sie brechen das Rennen ab, bevor sich noch einer weh tut", moserte Hans Knauss (Österreich), Sieger des Super-G von Valloire. Krauss hielt dagegen: "Probleme kriegt man nur, wenn man die Piste nicht richtig besichtigt." Er hatte sich "diesmal extrem viel Zeit" für die Erkundung genommen, sich die Wartezeit nach einer Verschiebung des Starts um eine Stunde dann mit den Teamkollegen vertrieben. "Wir haben immer Schafkopf-Karten im Anorak."

Schneller als der Berchtesgadener, der bislang einen achten Platz in Gröden (1989) als bestes Weltcup-Ergebnis zu Buche stehen hatte, waren nur der Italiener Werner Perathoner (1:19,62), der Franzose Luc Alphand (0,21 Sekunden zurück) und Patrick Wirth aus Österreich (0,43).

Krauss, der zeitgleich mit dem Finnen Janne Leskinen ins Ziel kam, verpaßte den Sprung auf's Treppchen nur um 0,25 Sekunden. Weiter zurück waren allerdings die Teamkollegen: Michael Brunner (Hechingen), Tobias Barnerssoi (Halblech) und Stefan Stankalla (Partenkirchen) landeten auf den Plätzen 44, 47 und 49, Berni Huber (Obermaiselstein) und Max Rauffer schieden aus.

Alphand Großverdiener

Sieger Perathoner kassierte für den zweiten Weltcup-Erfolg seiner Karriere 35.000 Mark, der große Gewinner des verlängerten Wochenendes mit insgesamt 170.000 Mark war allerdings Luc Alphand: Der 30jährige erhielt 30.000 Mark für seinen Abfahrtssieg vom Freitag, 20.000 Mark für Rang zwei im Super-G sowie 70.000 Mark und ein 50.000 Mark-Auto als Abfahrts- und Gesamtsieger der "Klassiker" in Val d'Isere, Gröden, Kitzbühel und Garmisch. Vor den letzten sieben Weltcup-Rennen bleibt der Norweger Lasse Kjus Führender im Gesamtweltcup von dem Österreicher Günther Mader.

Dem Rennen war ein Organisations-Chaos vorausgegangen. Der Super-G war am Sonntag um 12.00 Uhr zunächst für Montag bestätigt worden, auf Druck des Garmischer OK und der Mannschaftsführer wurde das Rennen von FIS-Renndirektor Günther Hujara dann noch durch die am Samstag und Sonntag schon zweimal abgesagte Abfahrt ergänzt. Im OK hatte man allerdings vergessen, den Plan mit der ARD abzustimmen: Das Erste hatte ab 14.15 Uhr, noch vor der geplanten Startzeit des Super-G (14.30 Uhr), keine Sendezeit zur Verfügung, konnte außerdem die bereits für den Super-G umgebauten Kamerapositionen nicht mehr für ein Abfahrtsrennen umgestalten. Weil die Abfahrt ausfiel, entstand den Organisatoren ein Verlust von rund 550.000 Mark.
Thomas Häberlein; Foto: Reuter


Last edited: jp@rhein-zeitung.de 12.06.1998 06:31