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Bei der "Scheidung" zählte nur das Geld

Keine Ehrenerklärung - Öffentlichkeit bei Verhandlung ausgeschlossen

Bremen (sid) Bei der "Scheidung" zwischen dem deutschen Vizemeister Werder Bremen und dem holländischen Fußball-Trainer Aad de Mos zählte nur das Geld. Vor dem Bremer Arbeitsgericht am Montag ging es bei dem Millionenspiel nicht mehr um die von dem Trainer geforderte Ehrenerklärung, sondern nur noch um harte D-Mark - ohne Moos nix los.

Dabei wurde mit solch harten Bandagen gefeilscht, daß Werder Bremen sogar den Ausschluß der Öffentlichkeit von der Verhandlung durchdrückte. Die im Raum stehenden Summen sollten im Sinne der angestrebten Einigung nicht publik werden.

Man habe sich einvernehmlich getrennt, hieß es denn folgerichtig nach gut einstündiger Verhandlung, dies sei ein "Gebot der Fairneß, nachdem Werder Bremen einen neuen Trainer eingestellt habe". Über den Inhalt der Vereinbarung wollten beide Seiten keine Angaben machen. Mathias Prinz, der Hamburger Rechtsvertreter von Aad de Mos, meinte allerdings: "Ich habe immer gute Laune."

Zwei Monatsgehälter Differenz

Er war es auch, der vor Verhandlungsbeginn als einziger Zahlen auf den Tisch gepackt hattee, als sich noch gut hundert Neugierige in dem wenig über 30 Quadratmeter großen Sitzungssal drängen durften. Zwei Monatsgehälter betrage die Differenz, erklärte er dem Richter am Arbeitsgericht Finndorf. Aad de Mos hatte einen Vertrag bis 1997, der ihm jährlich 1,2 Millionen Mark brutto zusicherte. Seine Abfindung soll zwischen 600.000 und einer Million Mark betragen.

"Wie weit wir auseinander waren, wußten beide Parteien. Den letzten Schritt haben wir heute getan", erklärte Prinz, ohne ins Detail zu gehen. Daß bis zuletzt mit allem Einsatz gekämpft wurde, verdeutlichte Bremens Schatzmeister Manfred Müller, der mit ernster Miene, verfolgt von Dutzenden von Reportern und TV-Kameras, das Gerichtsgebäude verließ: "Die Angelegenheit wurde sachlich abgehandelt. Hier ist kein Theater, in dem man lacht."

Keine Fragen der Finanzen

Nach dem Scheitern eines Schlichtungstermin zwischen Götz Eilers, dem Chef-Justitiar des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), und beiden Verhandlungsparteien, hatte Prinz noch in der vergangenen Woche erklärt, daß die Trennung keine Frage der Finanzen mehr sei. In der von ihm nach dem Gerichtstermin verlesenen Erklärung, heißt es, daß es zu Differenzen wegen angeblicher Äußerungen von de Mos gekommen sei.

Unter anderem soll der Trainer geäußert haben, daß es mit diesem Verein nie was werde. Durch die gewonne Unterlassungsklage gegen das Hamburger Nachrichtenmagazin Spiegel, das den Holländer zitiert hatte, sah Prinz diesen Punkt seiner Forderungen wohl erfüllt.

Um 13.22 Uhr am Montag bestieg Aad de Mos ein Taxi in der Finndorf-Straße an der Bremer Stadthalle, unweit der Bar Jimmis, wo das schicksalshafte Gespräch mit den Journalisten stattgefunden haben soll. Die "Ehe" des Startrainers mit dem Starklub von der Weser hat nicht einmal ein Jahr gedauert, und es ist nicht auszuschließen, daß nach der Schlacht ums Geld nun noch schmutzige Wäsche gewaschen wird.
Gerd Graus


Last edited: jp@rhein-zeitung.de 12.06.1998 06:31