IVWPixel Zählpixel

. . . Seizinger: Drei Rennen, drei Siege

Preisgelder sowie Prämien von Verband und persönlichen Sponsoren befördern sie in die Nähe von Franziska van Almsick, die mit einem Jahreseinkommen von 2,4 Millionen Mark Platz drei in der deutschen "Geldrangliste" der Damen hinter Steffi Graf und Anke Huber belegt. Die "Überfrau" im Skizirkus ist selbst von ihrer Erfolgsserie überrascht. "Ich kann machen, was ich will, es kommen immer Siege heraus", so die 23jährige Studentin der Betriebswirtschaftslehre aus Eberbach am Neckar, die für den Allgäu-Klub SC Halblech startet. Ein Erklärung hat die Abfahrts-Olympiasiegerin nicht, "und wenn es ein Geheimnis gäbe, würde ich es nicht verraten". Dafür wissen andere Bescheid. Für den deutschen Damen-Cheftrainer Rainer Mutschler ist Katja Seizinger schlichtweg "ein Skigenie", der ehemalige Schweizer Olympiasieger Bernhard Russi bezeichnet die "Rennintelligenz" als stärkste Waffe der derzeit weltbesten Läuferin.

Bei der Weltmeisterschaft in der spanischen Sierra Nevada kann Katja Seizinger ihre Erfolgsstory fortsetzen. Experten trauen ihr vier Goldmedaillen zu, doch die Blondine läßt sich von derlei Prognosen nicht blenden. "Planbar ist nichts. In unserem Sport spielen Dinge eine Rolle, die man nicht beeinflussen kann", so die Super-G-Weltmeisterin, "in der Sierra sind Schnee und Strecken anders. Da werden die Karten neu gemischt." Außerdem sei ihr der Gesamt-Weltcup wichtiger als die WM, "denn einen WM-Titel habe ich schon." Wie der Weltcup, in dem Katja Seizinger mit bisher 549 400 Mark an Prämien ihre Vorjahres-Gesamtgage (360 165 Mark) bereits übertroffen hat, ist auch die WM lukrativ: Gold ist dem Deutschen Skiverband eine Prämie von 88 500 Mark wert.

Im Rennen um die "große Kristallkugel" hat sie mit 191 Punkten Vorsprung auf Anita Wachter bereits für eine Vorentscheidung gesorgt. "Ich habe den Weltcup verloren", gab die Österreicherin schon in Val d'Isere resigniert auf. Drei Abfahrten, ein Super-G und zwei Riesentorläufe in den restlichen sieben Rennen bis zum Saisonfinale in Lillehammer sprechen für die Deutsche, die im vorigen Winter um nur winzige sechs Punkte an der Schweizerin Vreni Schneider gescheitert war. Katja Seizinger aber bremst voreilige Erwartungen: "In sieben Rennen kann noch viel passieren. Abgerechnet wird erst zum Schluß."
Gerd Münster; Foto: Reuter


Last edited: jp@rhein-zeitung.de 12.06.1998 06:31