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Millimeter aufwärts mit der Gesundheit

Norbert Koof, zwei Jahre danach: Mit neuer Therapie neue Hoffnung

Willich (sid) Das Leben hat ihn längst wieder, anders eben. Zwar im Rollstuhl, aber auch ein solches Hilfsmittel wird irgendwann zur Normalität. "Jammern", sagt er, "nützt ja nichts." Norbert Koof (40) gehörte nie zu jenen, die in Selbstmitleid geradezu zerfließen.

Am 24. Februar 1994 stürzte der Springreiter-Weltmeister von 1982 im Training mit einem nicht unbedingt unerfahrenen Pferd in der eigenen Halle. Er prallte mit dem Rücken auf eine Stange und blieb bewegungslos liegen. Außer einer Pflegerin war niemand dabei. Norbert Koof stellte selbst die Diagnose und veranlaßte erste Hilfsmaßnahmen. Als der Rettungshubschrauber über dem Hof in Willich-Anrath kreiste, schreckte die Kleinstadt bei Krefeld auf.

In der Unfallklinik in Duisburg stellten die Ärzte fest, daß kein Bruch vorlag. Der siebte Rückenwirbel war gestaucht, ein Bluterguß drückte auf die Nerven, aus dem Gehirn kamen keine Befehle mehr an.

Zunächst lag Norbert Koof tagelang völlig gelähmt im Bett, lediglich die Augen konnte er bewegen. Und die Frage blieb nicht aus: "Warum gerade ich?" Als er wieder sprechen konnte, wollte er mit keinem reden. Dann kehrte erstmals Gefühl zurück in den Oberkörper: "Ich war glücklich."

Schon wieder im Auto

Als er die Klinik verließ, saß er im Rollstuhl. Inzwischen fährt er schon wieder Auto, einen umgebauten PKW. Norbert Koof kämpft um jeden Millimeter. Wie einst im Parcours, wo er auch eine Kuh zum Springen gebracht hätte, rackert er bei Therapeuten. Kürzlich fand er einen neuen, dessen Vater auch vier Jahre nicht gehen konnte, sich aber inzwischen wieder normal bewegen kann.

Frau, Kind und die Eltern treiben Norbert Koof immer wieder an, nicht zu resignieren. Nach wie vor sucht und entdeckt er junge Pferde, läßt sie nach seinen Anweisungen trainieren und bietet sie zum Kauf an. Das ist das Leben, das er kennt, daran hat sich nichts geändert.

Den großen Sport, seine intensiv erlebte Welt, bringt oder schickt ihm das Springreiter-Ehepaar Helena und Peter Weinberg aus Herzogenrath bei Aachen immer wieder ins Wohnzimmer. Die beiden reiten teilweise ehemalige Koof-Pferde, auf Video-Kassetten kann er Erfolge und Mißerfolge miterleben.

Unlängst meinte Koof, es sei, als spüre er ganz langsam wieder etwas Gefühl in der Muskulatur der Oberschenkel und im Gesäß. Das wäre wieder ein bißchen näher an seinem einzigen Wunsch: "Wieder gehen zu können." Verständlich für einen, der weiß, wie es war, gehen zu können.
Dieter Ludwig


Last edited: jp@rhein-zeitung.de 12.06.1998 06:31