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Flugzeugentführungen nach Deutschland

Hamburg (dpa) - Wenn Flugzeuge in die Bundesrepublik entführt wurden, kamen sie meist aus dem Ostblock. In den Jahren 1969 bis 1989 wurden 18 Passagiermaschinen aus dem Ausland nach Westdeutschland und Berlin entführt - neun polnische, sieben tschechoslowakische, eine rumänische und eine ungarische.

Seit dem Fall der Mauer 1989 ist lediglich einmal ein Flugzeug nach Deutschland entführt worden. Ein Ägypter hatte damit im August 1993 die Freilassung eines Scheichs erreichen wollen, der in den USA wegen des Anschlages auf das New Yorker World-Trade-Center im Februar 1992 inhaftiert worden war. Einige spektakuläre Fälle:

08.06.1972 Eine Gruppe von zehn Tschechoslowaken entführt einen Turbojet L 410 der Slovair auf dem Flug Marienbad-Prag nach Weiden/Oberpfalz. An Bord befinden sich neben den Entführern weitere drei Passagiere und drei Besatzungsmitglieder. Kurz nach dem Start in Marienbad wird bei einem Handgemenge der Pilot erschossen. Die Luftpiraten werden in der Bundesrepublik wegen einfacher Luftpiraterie zu Freiheitsstrafen von drei bis sieben Jahren verurteilt. Der unter Mordanklage stehende 23jährige Haupttäter erhängt sich während der Untersuchungshaft.

11.10.1977 Zwei Mitglieder des Bodenpersonals einer tschechoslowakischen Luftfahrtgesellschaft erzwingen auf dem Flug Karlsbad-Prag die Landung einer mit 29 Personen besetzten CSSR-Maschine vom Typ Yak 40 in Frankfurt. Dort stellen sie sich der Polizei und ersuchen um politisches Asyl. Sie werden ein Jahr später zu sechs und dreieinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.

06.02.1978 Ein junger Tschechoslowake entführt eine mit 41 Passagieren und fünf Besatzungsmitgliedern besetzte tschechoslowakische Tupolew 134 auf dem Flug Ost-Berlin - Prag nach Frankfurt. Außer ihm bleibt auch ein Ehepaar aus der DDR mit seinem Sohn in der Bundesrepublik. Der Entführer wird zu vier Jahren Haft verurteilt.

22.08.1981 Ein 25jähriger Bote aus Warschau zwingt eine polnische Maschine mit 39 Fluggästen und einer vierköpfigen Crew auf dem Flug Breslau-Warschau mit einer nicht funktionierenden Handgranate zur Landung in West-Berlin. Er stellt sich den amerikanischen Behörden; zwei weitere Passagiere bleiben ebenfalls im Westen. Ein Gericht verurteilt den Entführer der LOT-Maschine (Typ AN-24) zu fünfeinhalb Jahren Haft.

18.09.1981 Eine zwölfköpfige Entführergruppe - neun Männer und drei Frauen im Alter zwischen 16 und 21 Jahren - erzwingt auf dem LOT-Flug Kattowitz-Warschau die Landung einer polnischen AN-24 in West-Berlin. Beim Anflug wird das mit 49 Passagieren und einer vierköpfigen Crew besetzte Flugzeug von sowjetischen Düsenjägern verfolgt. Die Entführer werden zu Strafen zwischen einem und vier Jahren verurteilt. Neun Angeklagte erhalten Jugendstrafen. Vier Strafen werden zur Bewährung ausgesetzt.

29.03.1989 Zwei bewaffnete 16jährige Slowaken bringen in Prag ein ungarisches Flugzeug der Gesellschaft Malev in ihre Gewalt und zwingen es zur Landung in Frankfurt. Zuvor lassen sie 20 der 30 Passagiere frei. Die anderen zehn Passagiere sowie vier Besatzungsmitglieder der Tu 154A lassen sie nach der Landung frei. Die beiden Jungen werden zu je zwei Jahren Jugendstrafe mit Bewährung verurteilt.

15.08.1993 40jähriger ägyptischer Bauunternehmer entführt eine mit 131 Passagieren und einer siebenköpfigen Crew besetzte niederländische Boeing 737 auf dem Flug Amsterdam-Tunesien nach Düsseldorf. Zwölf Stunden später wird der Mann, der zuletzt noch einen Piloten und einen Stewart der KLM-Maschine in seiner Gewalt hat, von Beamten der Spezialtruppe GSG 9 überwältigt. Der Entführer hatte die Freilassung des in den USA inhaftierten Scheichs Omar Abderrahman verlangt, der als Drahtzieher des Anschlages auf das New Yorker World-Trade-Center im Februar 1992 gilt. Damals waren sechs Menschen getötet und mehr als tausend verletzt worden.


Last edited: jo@rhein-zeitung.de 12.06.1998 06:32