Die Computertechnik ist bei dem ungewöhnlichen Projekt nur ein pädagogisches Hilfsmittel, erklärt Initiatorin Christine Spahn, frühere Beauftragte des Vereins "Hochbegabtenförderung" für Nordbayern. Es geht nicht vorrangig darum, Kinder noch früher fit für Maus und Bildschirm zu machen, sondern ein Ventil für die überschüssigen Kapazitäten Hochbegabter zu schaffen, sagt die Grundschullehrerin. Kinder mit einem Intelligenzquotienten von über 130 kommen im Schulsystem einfach zu kurz.
Auch Eltern berichten vom Erfolg der Erlanger Kurse: Nachdem die Kinder an der Universität geistig gefordert worden waren, verbrachten sie ihre freie Zeit am Nachmittag viel ausgeglichener. Christine Spahn betont immer wieder die Notwendigkeit, hochbegabte Kinder angemessen zu fördern. Selbst ein Schulunterricht, der auf die Bedürfnisse Hochbegabter speziell eingehe, reiche nicht aus, um die Kinder auszulasten. Nicht umsonst fordert die Lehrerin analog zur "Sonderpädagogik" für Leistungsschwache eine "Hochbegabtenpädagogik".
Als Pionierprojekt ist der erste Ferienkurs für hochbegabte Kinder an der Universität Erlangen im Herbst 1995 gelaufen. Die Abteilung für Computerlinguistik von Prof. Roland Hausser führte zwölf Kinder vor allem in die Sprachanalyse per Computer ein. "Die Kinder haben sich dabei nicht dümmer angestellt als die Studenten", berichtete Hausers Mitarbeiter Schulze.
Da bislang alle Kurse für hochbegabte Kinder im Großraum ausschließlich den Computerbereich abdecken, erwägt Christine Spahn als promovierte Philosophin das Angebot um einen Philosophie-Kurs oder "Kreatives Schreiben" zu erweitern. Viele Hochbegabte haben ganz andere Interessensfelder als den Computer, hat die Pädagogin festgestellt. Der sechsjährige Tristan beispielsweise hat sich auf Ägyptologie spezialisiert. Die Hieroglyphen erlernt der Hobby-Forscher aus einem englischen Lehrbuch - ohne je Englisch-Unterricht gehabt zu haben. Birgitt Roßhirt