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Ehret verzichtet auf Martin Schwalb

Bauchentscheidung auf "Königsposition" - Neue Chance für Holger Löhr

Neuss (sid) Arno Ehret hat sich über Ostern so manches Überraschungsei für den deutschen Handball ausgebrütet. Der Bundestrainer strich nach einer "Grübelstunde" die Oldtimer Holger Winselmann vom SC Magdeburg (234 Länderspiele, 483 Tore) und Martin Schwalb von der SG Wallau-Massenheim (146/446) aus seinen Planungen für die Europameisterschaft in Ciudad Real und Sevilla (24. Mai bis 2. Juni) und Olympia in Atlanta (19. Juli bis 4. August).

Neben dem Rechtsaußen und viermaligen WM-Teilnehmer Winselmann und dem erfolgreichsten Bundesliga-Torjäger und besten Linkshänder Schwalb erteilte der DHB-Sportdirektor auch Markus Baur (SG Wallau-Massenheim) und Sven Lakenmacher (TV Großwallstadt) für die Highlights eine Absage.

Ehret hat für den Kernkader 16 Spieler nominiert, seine Entscheidung auf der "Königsposition" im linken Rückraum hat der Weltmeister von 1978 wegen Verletzungen um zwei Wochen verschoben. "Jan Fegter ist die Nr. 1, zwischen Thomas Knorr und Karsten Kohlhaas steht es unentschieden, das wird für mich eine Bauchentscheidung", sagt der Bundestrainer und betont, daß die Namensliste keinen Anspruch auf Endgültigkeit erhebt: "Die EM-Nominierung ist noch kein Freifahrtsschein für Atlanta. Ich wäre ja dumm, wenn ich mir nicht ein Türchen offen lassen würde."

Das heißt im Klartext: Für Martin Schwalb ist der Olympiazug noch nicht abgefahren. Ehret: "Ich kann mit "Schwalbe" planen, wenn Not am Mann ist." Der DHB-Sportdirektor setzt trotz Kritik aus der Bundesliga im rechten Rückraum auf das Duo Volker Zerbe (TBV Lemgo) und Jörg Kunze (TV Großwallstadt). "Beide haben bei der WM 1995 die Erwartungen erfüllt, ich vertraue diesen beiden", begründet der Bundestrainer seine Entscheidung, wobei Zerbe die absolute Nr. 1 und Kunze nur zweite Wahl ist.

Schmidt erste Wahl

Erste Wahl auf Rechtsaußen ist Martin Schmidt (THW Kiel), sein Stellvertreter Holger Löhr (VfL Gummersbach). Der Ex-Leutershausener, der sein letztes Länderspiel am 14. Januar 1996 beim World-Cup in Schweden bestritt, hat sich laut Ehret durch "konstante und vernünftige Leistungen" in den Kader gespielt, außerdem sei er "ausbaufähig und habe Perspektive."

Für Löhr flog Holger Winselmann aus dem Kader. "Er hat in dieser Saison selten Tritt gefaßt, seine Kaltschnäuzigkeit verloren, nur durchwachsen gespielt", ließ Ehret wissen, der bei seinem Ausleseverfahren auf den bewährten Stamm setzte. Bis auf Wolfgang Schwenke (VfL Bad Schwartau) und Winselmann wurden alle Spieler berücksichtigt, die bei der WM auf Island dabei waren und mit Platz vier Imagepflege für den deutschen Handball betrieben.

Vor der EM in Spanien nimmt der Bundestrainer sein Team in die Pflicht und fordert kategorisch: "Wir wollen bei der EM da weiter machen, wo wir bei der WM 1995 aufgehört haben. Das Ziel muß eine vordere Plazierung sein. In jedem Fall ist Spanien eine wichtige Standortbestimmung im Hinblick auf Atlanta. Ich bin davon überzeugt, daß ich die Spieler bezüglich Motivation und Einstellung eher noch bremsen als anspornen muß." Bei der EM muß die DHB-Auswahl zumindest Platz fünf belegen, um sich direkt für die WM 1997 im japanischen Kumamoto zu qualifizieren. Die Mischung zwischen jung und alt dürfte stimmen. Das Durchschnittsalter der DHB-Auswahl beträgt rund 26,7 Jahre, die 17 Athleten bestritten insgesamt 1.375 Länderspiele mit 2.044 Toren. Joachim Neußer

Das Aufgebot der deutschen Handball-Nationalmannschaft: Torhüter: Andreas Thiel (Bayer Dormagen), Jan Holpert (SG Flensburg-Handewitt), Henning Fritz (SC Magdeburg). - Feldspieler: Martin Schmidt (THW Kiel), Holger Löhr (VfL Gummersbach), Volker Zerbe (TBV Lemgo), Jörg Kunze (TV Großwallstadt), Vigindas Petkevicius (SC Magdeburg), Daniel Stephan (TBV Lemgo), Christian Schwarzer (TV Niederwürzbach), Klaus-Dieter Petersen (THW Kiel), Mike Fuhrig (SG Wallau-Massenheim), Jan Fegter (SG Flensburg-Handewitt), Thomas Knorr (THW Kiel), Karsten Kohlhaas (Bayer Dormagen), Stefan Kretzschmar (VfL Gummersbach), Christian Scheffler (THW Kiel).


Last edited: jp@rhein-zeitung.de 12.06.1998 06:33