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Goetz soll 43 Millionen Dollar zahlen

Der New Yorker U-Bahn-Schütze wurde in einem zweiten Prozeß verurteilt

New York (dpa) - Der vom Mordversuch freigesprochene Bernhard Goetz (Foto oben), der in der New Yorker U-Bahn vier Jugendliche mit Schüssen schwer verletzte, ist in einem neuen Prozeß zur Zahlung von 43 Millionen Dollar (65 Millionen Mark) verurteilt worden.

Ein Teil davon soll einem der Opfer zugute kommen. Der inzwischen 30jährige Darrell Cabey (Foto unten), auf den Goetz auch noch geschossen hatte, als er bereits am Boden lag, ist seit der Tat 1984 gelähmt und schwer hirngeschädigt. Die Jury im neuen Verfahren entschied einstimmig, daß Goetz ihn absichtlich schwer verletzte, daß er ihm "schweren emotionalen Schaden" zufügen wollte und daß seine Aktionen ungerechtfertigt waren. In einem ersten Prozeß vor neun Jahren war Goetz vom Vorwurf des versuchten Mordes freigesprochen worden.

Kommentatoren in New York machten eher das geänderte Klima als die neue Jury für das Urteil verantwortlich. Die Angst und die tiefe Unsicherheit der weißen New Yorker in den 70er und 80er Jahren gibt es heute in diesem Ausmaß nicht mehr. Damals hatte eine fast ausschließlich weiße Jury das Urteil in Manhattan gefällt, wo sich die Tat ereignet hatte. Diesmal war die Mehrzahl der Juroren schwarz, und der Prozeß fand nach endlosen juristischen Auseinandersetzungen in der Bronx statt, wo das Opfer von Goetz lebt.

Acht Monate wegen unerlaubten Waffenbesitzes abgesessen

Cabey soll nach dem Willen der Jury 18 Millionen Dollar (27 Millionen Mark) erhalten, mit weiteren 25 Millionen Dollar (38 Millionen Mark) soll Goetz für seine Tat bestraft werden. Der jetzt 48jährige Täter war im ersten Verfahren nur wegen unerlaubten Waffenbesitzes verurteilt worden und hatte acht Monate Gefängnis abgesessen.

Wie bereits im ersten Prozeß 1987 bezeichnete er sein Verhalten auch jetzt wieder als Selbstverteidigung. Die schwarzen Jugendlichen, die ihn um fünf Dollar angebettelt hatten, hätten die Schüsse "verdient", sagte er vor Gericht. Sein Fall hatte am 22. Dezember 1984 und in den Jahren danach ungeheures Aufsehen erregt. Zahlreiche weiße US-Bürger stellten sich hinter ihn und nahmen ihm damals seine Version ab. Die Opfer und ihre Anwälte dagegen versuchten erneut, ihn als Rassisten darzustellen, der schoß, als er angebettelt wurde.

Welche konkreten Wirkungen das Urteil hat, steht bisher nicht fest. Goetz, der einen kleinen Elektronikladen betreibt, hat nach eigenen Angaben sein gesamtes Geld für die Kosten seiner Verteidigung ausgegeben. Fotos: Reuter


Last edited: tk@rhein-zeitung.de 12.06.1998 06:33