IVWPixel Zählpixel Siehe dazu auch: CD-Roms im RZ-Online-Test

Klicken und Durchblicken:

Kinderbüro erklärt Eltern CD-Roms

Frankfurt/Main (dpa/lhe) - Das Angebot an Spielen und Lernprogrammen für Computer verunsichert offenbar immer mehr Eltern. Sie wollen ihren Sprößlingen zwar nicht den Spaß am Spiel mit dem PC verderben, zweifeln aber häufig am pädagogischen Nutzen der Freizeitbeschäftigung - besonders wenn die schulischen Leistungen nachlassen.

Die Suche nach einer CD-Rom, die sinnvolle Inhalte auf den Schirm bringt und die Kinder trotzdem fasziniert, endet oft in Verwirrung. Aus diesem Dilemma will das Frankfurter Kinderbüro helfen. Unter dem Motto "Klicken und Durchblicken" können Eltern und Kinder CD-Roms testen und sich über das Angebot beraten. Gleichzeitig soll analysiert werden, was die Software kann.

Wissensvorsprung der Kinder

"Viele Kinder nutzen Computer selbstverständlich, und es werden immer mehr", sagt die Leiterin des Kinderbüros, Gabriele Mankau. Eine Auseinandersetzung mit den Angeboten fehle jedoch. "Eltern und Kinder werden allein gelassen." Viele Eltern seien zudem verunsichert, weil ihre Kinder einen Wissensvorsprung hätten und ihnen genaue Anweisungen gäben, welche CD-Rom sie kaufen sollten. "Das ist genauso wie früher beim Fernsehen und dann beim Video."

CD-Rom-Fachmann und Berater Thomas Feibel stimmt zu: "Bücher und Platten werden besprochen, CD-Roms aber nicht." Auch Computerläden und Buchhandlungen böten keine Hilfe. Viele kauften daher die Katze im Sack und seien dann enttäuscht. Zudem wagten sich - meist aus Kostengründen - nur wenige Lehrer an das Medium heran. Allein mehr als 2000 neue deutschsprachige CD-Roms, darunter überwiegend Spiele, seien 1996 auf den Markt geschwemmt worden, berichtet der Mitorganisator des Projektes, Siegfried Wischnewski.

Abgrenzung von "Ballerspielen"

50 Lernspiele können bei den monatlichen Beratungsterminen im Kinderbüro ausprobiert werden. Dabei gehe es um eine deutliche Abgrenzung von sogenannten "Ballerspielen", betont Mankau. "Edutainment" heiße das neue Fachwort für die Programme, die lehren und Spaß machen soll. Der Begriff setze sich aus den englischen Wörtern Education (Bildung) und Entertainment (Unterhaltung) zusammen. Zwölf Software-Firmen finanzieren das Projekt mit rund 15 000 Mark. Zudem stellen sie acht Computer und die CD-Roms. Die Unternehmen wollten herausfinden, wer mit ihren Angeboten wie umgehe, erläutert Wischnewski.

Max auf der Suche nach Zahlen ist eine der Geschichten, die im Kinderbüro am Computer-Schirm getestet werden können. Dabei kann mit der Maus ein Zimmer gewählt werden, in dem sich Max umschauen soll. Die Maus hilft auch dabei die Zahlen zu entdecken. Auch die Sprache, in der der Erzähler von Max' Abenteuern berichtet, ist wählbar. Solche "beweglichen Bilderbücher" können ebenso im Kinderbüro ausprobiert werden, wie Sachinformationen mit Fotos, Cartoons, Bildern, Musik und Filmen - etwa über Sexualität. Andere CD-Roms sollen beim Rechnen oder Lesen helfen.

Nachhilfelehrer wird nicht überflüssig

Rund 100 Mark kosteten CD-Roms im Schnitt, sagt Feibel. Tendenz sinkend. "Die Edutainment-Programme sind eine sinnvolle Erweiterung, machen aber den Nachhilfelehrer nicht überflüssig", betont er. "Kinder sollten nur damit arbeiten, wenn sie dazu Lust haben." Vor allem bei Jüngeren sei das Gespräch mit den Eltern über die Inhalte wichtig. 20 bis 30 Minuten pro Tag sind nach Auffassung von Feibel für Kinder im Vorschulalter genug; Schulkinder sollten nicht länger als eine Stunde vor dem Computer-Bildschirm sitzen.

"Die Kinder, vor allem die Jungen, sitzen mit Leidenschaft vorm Computer", berichtet die Leiterin eines Kinderhorts, Christa Vogt, die mit ihren Schützlingen vom Angebot des Kinderbüros Gebrauch macht. "Wir wollen von Spielen wegkommen, bei denen nur geschossen wird, und die Kinder an pädagogische Programme heranführen, bei denen sie etwas lernen." Bei vielen habe das Interesse, etwas dazuzulernen nachgelassen. "Immer mehr Kinder kommen mit immer weniger Wissen aus der Schule." Daher müsse die Begeisterung für Computer genutzt werden. Dabei sei es wichtig, das Miteinander zu fördern. "Computer können auch zur Einsamkeit erziehen." Ira Schaible; Archivfoto: dpa


Last edited: tk@rhein-zeitung.de 12.06.1998 06:32