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Techno-Fans feierten:

100 000 Raver in München

München/Hamburg (dpa) - Deutschlands Techno-Fans kamen am Pfingstsamstag bei zwei Riesen-Raves auf ihre Kosten: 100 000 feierten bei der "Munich Union Move" in der bayerischen Landeshauptstadt, während im hohen Norden rund 80 000 zur "Love Parade" kamen. Die Partys, als musikalische Anti-Drogen-Kampagne angekündigt, verliefen trotz schlechten Wetters in beiden Städten nach Angaben der Polizei fröhlich und weitgehend friedlich.

Allerdings wurden in München 39 Raver wegen Drogenbesitzes festgenommen. In Hamburg erlitt ein Mann einen Beinbruch, als er von einem Lautsprecherwagen angefahren wurde. Die "Love Parade" mit den bunt und skurril gekleideten Techno-Fans zog sich durch die Straßen von St. Pauli und ging mit einer Kundgebung auf dem Spielbudenplatz an der Reeperbahn zu Ende.

In München machten rund 100 000 Jugendliche die Innenstadt zur Tanzfläche, ravten in schrill-buntem und hautengem Synthetiklook zu hämmernden Rhythmen aus zahlreichen buntgeschmückten Disco-Wagen. So wie Conny (19) hatten sich am Samstag zahllose Raver in Schale geworfen: Das schwarze Trägerkleidchen erlaubte maximale Beinfreiheit und einen Blick auf den tätowierten Arm. Bei jeder Bewegung wippte die knallrote Federboa der blonden Tänzerin, und der Nasenring funkelte.

Demonstration gegen Drogen?

Offiziell war das Techno-Spektakel, eines der größten in Europa, als Demonstration gegen Drogen angemeldet, doch die Jugendlichen kümmerte das wenig. Unter den wachsamen Augen zahlreicher Polizisten floß der Alkohol in Strömen, schon lange vor dem "Move" ging das Dosenbier in den umliegenden Gaststätten aus. Das Motto "Musik ist die einzige Droge" verschwand fast völlig im 80-Dezibel-Sound und Trockeneisnebel. "Das ist sowieso Blödsinn", meinte ein Mädchen. "Ich glaube, daß heute viele Drogen dabei haben, weil das momentan einfach zum Lebensgefühl gehört", sagte ihre Freundin. Auch in ihrer grellgrünen Tasche waren Ecstasy-Pillen.

Schließlich galt es, für eine lange Nacht gerüstet zu sein. Nach der Parade durch die Innenstadt und einer Schlußkundgebung auf dem Oktoberfest-Gelände konnten die techno-verrückten Jugendlichen bis in die Morgenstunden am alten Flughafen Riem weiterfeiern. Schon bald werden Abriß-Birnen die beliebten Partyhallen dort zerstören, darunter auch der international bekannte Techno-Club "Ultraschall". Der diesjährige "Union Move" war deshalb auch ein Trauerzug: Mit Sarg und Kränzen wurde die Tanzhalle symbolisch zu Grabe getragen.

Probleme hatten die Ordnungshüter mit den Anwohnern: Rund 50 beschwerten sich über die dröhnende Musik. Das Rote Kreuz hatte wenig zu tun - allerdings kam der Wettergott zu Hilfe: Ein Sturzregen gegen Ende des Umzugs kühlte die ekstatischen Tänzer ab und trieb sie scharenweise in die völlig überfüllten U-Bahnen. Ute Eberle; Fotos: dpa


Last edited: jp@rhein-zeitung.de 12.06.1998 06:32