IVWPixel Zählpixel
  • Siehe auch: Polizeipsychologen: Wenn Opfer Nähe zu Tätern suchen

    Fleuchaus weist Vorwürfe vehement zurück

    Familie: Entführung war nicht vorgetäuscht - Anwalt: "Bananenrepublik"

    Mössingen (dpa) - Mit scharfen Worten haben die Familie Fleuchaus und ihr Anwalt die Behauptungen und Vorwürfe zurückgewiesen, die in Costa Rica Anfang des Jahres entführte Nicola Fleuchaus (25) habe die Entführung möglicherweise nur vorgetäuscht. "Wenn Bedienstete oder staatliche Organe der Bananenrepublik Costa Rica nun auf den Klotz hauen wollen, sollte das Land selbst überlegen, wie es sich in der Affäre benommen hat", sagte Fleuchaus-Anwalt Martin Rilling am Freitag der dpa.

    Auch Vater Wolfgang warf Costa Rica vor: "Als sie (die Entführten) weg waren, wollte keiner etwas davon wissen." Die Behörden "haben die Entführung nicht wichtig genommen". Nachdem in einer Zeitung in Costa Rica am Donnerstag Fotos veröffentlicht worden waren, auf denen Nicola Fleuchaus unter anderem in enger Umarmung mit einem der Entführer zu sehen ist, hatte der costarikanische Regierungssprecher Alejandro Soto gesagt, die Entführten schuldeten dem Land eine Erklärung.

    Die Entführung sei möglicherweise vorgetäuscht worden. Fleuchaus war zusammen mit der Schweizerin Regula Susanna Siegfried (50) am Neujahrstag entführt worden. Sie wurden nach Zahlung von 200 000 Dollar (knapp 300 000 Mark) Lösegeld am 12. März freigelassen.

    Anwalt: Kein enges Verhältnis zum Entführer

    Über das Verhältnis von Fleuchaus zu einem der Entführer, Julio Cesar Vega, und den Fotos habe er der Erklärung vom Donnerstag "nichts hinzuzufügen", sagte Rilling. Darin hieß es, Fleuchaus habe kein enges Verhältnis mit dem Entführer gehabt. Fleuchaus brachte "ihr übergroßes Glücksgefühl über die bevorstehende Freilassung und das Ende des zehnwöchigen Martyriums zum Ausdruck, indem sie den Entführer Vega in den Arm nahm und ihm einen Kuß gab, um ihre Dankbarkeit zu bezeugen", hieß es darin weiter.

    "Unsaubere Vergangenheitsbewältigung"

    Zu der Erklärung Siegfrieds im costarikanischen Fernsehen, eine Romanze zwischen Fleuchaus und Vega habe sich schon in der zweiten Entführungswoche angebahnt, sagte Rilling: "Ich weiß nicht, was Siegfried dazu treibt, sich so zu verhalten. ... Wir werden diese Art der unsauberen Vergangenheitsbewältigung nicht mitmachen." Vater Fleuchaus begründete die Tatsache, daß die Kontakte zwischen seiner Tochter und Siegfried "nicht mehr so gut sind", damit, daß "wir die Geschichte vermarkten konnten und unser Geld teils wieder herein bekommen, sie das aber nicht fertiggebracht hat".

    Fleuchaus sei nur einmal von Kriminalbeamten Costa Ricas vernommen worden, und zwar vor zwei Wochen in der Bonner Botschaft. "Das war die erste und einzige Vernehmung nach dem Strafrecht Costa Ricas", sagte Rilling. Fleuchaus habe dabei nach der Vorlage von Photos zwei der Entführer identifiziert. Foto: Reuter


  • Last edited: aj@rhein-zeitung.de 12.06.1998 06:35