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Deutsche Nichtraucher machen mobil

Initiative will Musterprozeß führen - Ärzte: Warnende Beipackzettel

Frankfurt/M (AP) - Nach der erfolgreichen Schadenersatzklage eines krebskranken Rauchers in den USA rufen auch in Deutschland die Gegner von Tabak und Zigaretten zum Kampf: "Wir sind bereit, einen Musterprozeß zu führen", kündigte Ernst-Günther Krause von der Nichtraucher-Initiative Deutschland am Montag an. Die Zigarettenindustrie sieht sich dagegen durch deutsches und EU-Recht gegen Schadenersatzforderungen gefeit. Die Bundesärztekammer forderte erneut ein Verbot der Zigarettenwerbung und deutlichere Warnhinweise.

Die Voraussetzungen, unter denen ein Raucher in Deutschland gegen Zigarettenhersteller klagen könnte, sind allerdings hoch. "Nur jemand, der seit 40 Jahren raucht, kann das tun", sagte Krause. Der Kläger müßte seit den 50er Jahren einer bestimmten Marke treu sein, eine vom Zigarettenkonsum hervorgerufene Krankheit nachweisen und beweisen können, daß er durch die unkritische Zigarettenwerbung der 50er Jahre zum Glimmstengel verführt wurde und sich über die Gefahren des Rauchens nicht im klaren war.

"Schädlichkeit schon vor Jahrzehnten nachgewiesen"

"Die Zigarettenindustrie wußte schon lange, daß das Rauchen schädlich ist. Das hat sie in Versuchen schon vor Jahrzehnten nachgewiesen. Trotzdem hat sie nicht davor gewarnt", sagte der Nichtraucher-Vertreter. Erst seit 1974 sei die Zigarettenwerbung im Fernsehen verboten. Vorher warb zum Beispiel das lustige HB-Männchen eifrig für die vermeintlich segensreiche Wirkung des Glimmstengels. Warnhinweise auf Zigarettenpackungen sind nach einem EU-Beschluß erst seit 1991 vorgeschrieben.

Der Präsident der Bundesärztekammer, Karsten Vilmar, forderte in Reaktion auf das amerikanische Urteil ein Verbot der Zigarettenwerbung in Deutschland. "Es scheint noch immer nicht im Bewußtsein der Menschen verankert zu sein, wie schädlich Rauchen ist", sagte Vilmar. "Positive Werbung nach dem Motto 'ich rauche gern' verdrängt alle Vernunft".

24 Milliarden Mark Tabaksteuer jährlich

Auch die Warnungen vor dem Zigarettenkonsum reichten nicht aus: "Offensichtlich realisieren die Leute die Gefahren nicht. Man sollte den Zigaretten einen genauso ausführlichen Beipackzettel beilegen, wie es bei jedem Medikament der Fall ist". Er habe kein Verständnis dafür, daß die Bundesregierung - offensichtlich wegen der 24 Milliarden an Tabaksteuer, die die Raucher jährlich einbringen - die Zigarettenwerbung nicht verbiete.

Der Verbandssprecher der Zigarettenindustrie, Ernst Brückner, sagte, eine Schadenersatzklage sei in Deutschland äußerst unwahrscheinlich. Nach dem Produkthaftungsgesetz müßten Hersteller nur für fehlerhafte Produkte zahlen. Es sei aber unvermeidlich und deshalb kein Fehler, daß Zigaretten schädlich seien. Von Gesche Tebben


Last edited: aj@rhein-zeitung.de 12.06.1998 06:35