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Schreinemakers immer stärker unter Druck:

Sat 1 verlangt Zurückhaltung

Hamburg (AP) Die Fernseh-Moderatorin Margarethe Schreinemakers gerät immer stärker unter Druck: Nach dem Millionenstreit mit dem Finanzamt hat sie sich mit ihrem Sender Sat1 entzweit und mußte am Sonntag auch von Politikern aus CSU, SPD und Grünen herbe Kritik einstecken. Sat 1 verbot ihr nach Angaben einer Sprecherin, die Steueraffäre in der ersten Sendung nach der Babypause am kommenden Donnerstag zum Thema zu machen. Daraufhin drohte sie mit Kündigung. Der Grünen-Politiker Jürgen Trittin nannte Schreinemakers eine Heulsuse und Bundesfinanzminister Theo Waigel wies Vorwürfe zurück, er habe sich selbst in den Steuerstreit eingemischt.

Sat 1-Sprecherin Kristina Faßler bestätigte Berichte des Hamburger Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" und "Bild am Sonntag", wonach Schreinemakers eine Frist bis Freitag mittag habe verstreichen lassen, die ihr Sat 1-Programmchef Fred Kogel gesetzt habe. Bis dahin habe sie schriftlich erklären sollen, daß sie in der Sendung nicht über die Steueraffäre sprechen werde.

Schreinemakers' Anwälte drohten laut "Bild am Sonntag" daraufhin: "Ein solcher Ton ist in einem auf Dauer angelegten Vertragsverhältnis, das ganz wesentlich auf gegenseitiges Vertrauen angelegt ist, vollkommen unangebracht und geeignet, dieses Vertrauen zu zerstören, mit der Folge einer außerordentlichen Kündigung."

Sprecherin Faßler aber versicherte: "Wir werden auf der Position beharren, daß Schreinemakers das Thema nicht aufgreift und sind der Meinung, daß die Wahrnehmung unserer Programmhoheit kein Kündigungsgrund für Frau Schreinemakers sein kann." Sat 1 habe auch kein Interesse an einer vorzeitigen Vertragsauflösung. Schreinemakers Vertrag mit Sat 1 läuft zum Jahresende aus; sie wechselt zu RTL. "Wir empfangen sie mit Kußhand", sagte RTL-Chef Helmut Thoma laut "Spiegel".

Mit Mitleidstour täuschen

Das Münchner Magazin "Focus" berichtete unterdessen, Schreinemakers wolle alle Anteile an der Produktionsfirma "Living Camera" in den Niederlanden kaufen. Mit der in Belgien wohnenden Schreinemakers als Eignerin ließe sich der Steuerstreit entschärfen, da sie wegen des Doppelbesteuerungsabkommens zwischen Deutschland und den Niederlanden Anspruch auf Freistellung von der umstrittenen 25prozentigen Quellensteuer habe, schrieb das Blatt. Das Volumen der vom Bundesamt für Finanzen zurückbehaltenen Steuern beläuft sich nach "Focus"-Informationen inzwischen auf 25 Millionen Mark.

Trittin sagte der in Hamburg erscheinenden "Bild"-Zeitung (Montagausgabe) es sei eine Sauerei, wenn die Moderatorin Finanzminister Waigel einen persönlichen Rachefeldzug wegen des Auftritts seiner geschiedenen Frau in der Sendung vorwerfe. "Offensichtlich schreckt die Heulsuse der Nation nicht vor Verunglimpfung zurück. Es kann doch nicht angehen, daß jemand, der so gut verdient wie sie, meint, mit 25 Prozent oder weniger Steuern davonzukommen. Ein einfacher Arbeitnehmer muß sich dabei doch an den Kopf fassen."

Waigel: "Habe keinerlei Einfluß genommen"

Waigel sagte demselben Blatt: "Sie hat kein Recht, mir zu unterstellen, daß ich mich in irgendeiner Weise in ihre Steuerangelegenheiten eingemischt habe. Ich war weder mit dem Verfahren, noch mit der Entscheidung in dieser Steuersache befaßt. Ich habe keinerlei Einfluß genommen. Es ist infam, mein Privatleben für eine solche Agitation zu mißbrauchen. Das verbitte ich mir."

Der SPD-Finanzexperte Joachim Poß sagte der Zeitung, es sei empörend, daß Schreinemakers versuche, Millionen ehrliche Steuerzahler mit ihrer Mitleidstour zu täuschen. Der Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Michael Glos, monierte, Schreinemakers "will offenbar bei der Besteuerung besser gestellt werden als die Millionen ehrlicher und anständiger Steuerzahler, die sie als Zuschauer für ihre Sendung braucht". Der bayerische Finanzminister Erwin Huber forderte die Fernsehmoderatorin auf, nach Deutschland zurückzukehren. Foto: dpa


Last edited: jp@rhein-zeitung.de 12.06.1998 06:35