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Schreinemakers macht weiter bei SAT1

Bonn (Reuter) - Trotz des Abbruchs ihrer Talkshow auf SAT1 wird Fernsehmoderatorin Margarethe Schreinemakers offenbar weiter für den Sender arbeiten. Sie werde nächste Woche wieder moderieren, hieß es am Freitag bei SAT1 und der Kölner Fernsehfirma Telemaus, die für Schreinemakers arbeitet. Nach wochenlangem Streit war es am späten Donnerstag abend zum Eklat gekommen: SAT1 schaltete die Sendung ab, da Schreinemakers einen Beitrag über ihren Streit mit dem Finanzamt zeigen wollte. Der Film sollte noch am Freitag auf dem Konkurrenzkanal RTL gezeigt werden, zu dem Schreinemakers 1997 wechseln will.

Die Kraftprobe mit ihrem Sender hatte die populäre Talkmasterin gleich zu Beginn ihrer Sendung für kurz vor Mitternacht angekündigt. Bis es soweit war, ging es knapp drei Stunden um Schwindelgefühle, die vermeintlichen Vaterschaften des Jürgen Drews und korrupte Beamte. Zwischendrin drohte Schreinemakers mit Verleumdungsprozessen und klagte, sie sei Ziel einer Schmutzkampagne. Dann war es soweit: Wenige Sekunden flimmerte der Beitrag, dann schaltete SAT1 ab. SAT-1-Mann Ulrich Meyer erläuterte, der Sender könne Moderatoren keine Möglichkeit einräumen, private Angelegenheiten in der eigenen Sendung zu behandeln.

Eine RTL-Sprecherin teilte am Freitag mit, die umstrittene Rechtfertigung werde nun in der Sendung "Explosiv" gezeigt. Dazu sagte eine SAT1-Sprecherin, ihr Sender habe nichts gegen dieses Vorgehen. Schreinemakers mache eine gute Sendung, die am Donnerstag wieder bei SAT1 zu sehen sein werde. "Wir wollen keinen Streit", versicherte sie.

Vom "Stern" bis zum "Spiegel" hatten in dieser Woche zahlreiche Medien in großer Aufmachung über den Steuerfall berichtet. Schreinemakers wurde vorgehalten, sie sei trotz Millioneneinkommen gierig und setze bei ihrer emotionalen Moderation vor allem auf die Kraft ihrer Tränendrüsen.

Mit durchschnittlich 6,07 Millionen Zuschauern erreichte Schreinemakers beim ersten Auftritt nach mehreren Monaten Babypause eine ungewöhnlich hohe Einschaltquote. Auf gut 30 Prozent aller eingeschalteten Fernseher lief nach Angaben von Media Control/GfK-TV-Quick die Talkshow. "Meinen Zuschauern wurde das Recht verweigert, die Wahrheit zu hören", sagte Schreinemakers nach einem Bericht der Kölner Zeitung "Express" zum Vorgehen ihres Senders.

Ausgangspunkt des Streits mit SAT1 war der Konflikt zwischen Schreinemakers und dem Finanzamt. Schreinemakers Produktionsfirma "Living Camera" sitzt in Holland. Aus dem Honorar für die Talkshow behielt der deutsche Fiskus 25 Prozent ein. Schreinemakers fordert das Geld zurück, da die Firma im Ausland steuerpflichtig sei.

Der Steuerstreit löste Forderungen nach mehr Steuergerechtigkeit aus. Die SPD-Politikerin Ingrid Matthäus-Maier sagte, der ehrliche Steuerzahler bekomme immer mehr den Eindruck, er sei der Dumme. Sie schlug im InfoRadio Berlin-Brandenburg vor, das Steuerrecht international besser abzustimmen. Im Saarländischen Rundfunk sagte Michael Streck vom Deutschen Anwaltsverein, angesichts der hohen Steuern sei es nicht erstaunlich, daß in großem Umfang hinterzogen werde. Fotos: dpa

 
























Last edited: jo@rhein-zeitung.de 12.06.1998 06:35