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Vargas Llosa las als Junge Karl May

Frankfurt (Reuter) - Seine erste Begegnung mit der deutschen Literatur fand im Wilden Westen Nordamerikas und in den arabischen Wüsten statt: Mario Vargas Llosa las als Junge die Abenteuergeschichten von Karl May. "Nicht Karl Marx, Karl May", betont der diesjährige Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels auf einer Pressekonferenz vor der feierlichen Preisvergabe in der Frankfurter Paulskirche. Der Hinweis kommt nicht von ungefähr. Denn der 60jährige Lateinamerikaner ist wie kaum ein Schriftsteller politisch engagiert.

Vargas Llosas politische Überzeugungen sind zutiefst demokratisch. Jede Diktatur - ob von rechts oder links - ist ihm suspekt. In seiner Heimat Peru ging Vargas Llosa in den 1980er Jahren in die Politik. 1984 wollte der damalige peruanische Präsident Belaunde ihn als Ministerpräsident an die Spitze der Regierung holen. Vargas Llosa lehnte ab. 1990 kandidierte er dann aber gegen den seinerzeit unbekannten Alberto Fujimori um das peruanischen Präsidentenamt. Er verlor. Fujimori wirft Vargas Llosas heute Menschenrechtsverletzungen und Korruption vor.

Ein Erzdemokrat

Vargas Llosa wurde am 28. März 1936 im peruanischen Arequipa geboren. Er wuchs in Cochabamba in Bolivien und im peruanischen Piura auf. In Lima besuchte er die Kadettenanstalt. Die Erfahrungen aus dieser Zeit faßte er in dem Roman "Die Stadt und die Hunde" zusammen, mit dem er erstmals international bekannt wurde. Das Buch wurde 1962 in Madrid veröffentlicht. 1964 wurde es in Lima öffentlich verbrannt und Vargas Llosa vorübergehend inhaftiert.

Persönliche Erfahrungen verarbeitet

Vargas Llosa studierte Jura und Literatur und arbeitete zeitweise als Journalist für peruanische Zeitungen. Inzwischen lebt er meist in Barcelona und in London. In seinen zwölf Romanen verarbeitet er häufig persönliche Erfahrungen. So geht es in "Tante Julia und der Kunstschreiber" um seine Heirat mit einer Tante, der besagten Julia, von der er sich später wieder scheiden ließ. Eines seiner jüngsten Werke ist "Tod in den Anden".

Zu seinen deutschsprachigen Lieblingsautoren zählt Vargas Llosa Thomas Mann und den Österreicher Joseph Roth. Auf die Frage, was er aus Deutschland am liebsten mit nach Hause nehmen würde, wird Vargas Llosa dann aber prosaisch: "Ich liebe deutsche Wurst, nicht nur Frankfurter", sagte er schmunzelnd. Andrea Lentz


Last edited: jo@rhein-zeitung.de 12.06.1998 06:37