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Gewissenhafter Geschäftsmann - lebensfroher Mensch

Frankfurt/Main (dpa) - Der entführte und ermordete Frankfurter Millionär Jakub Fiszman war kein ängstlicher Mensch. Eine Freundin der Familie schilderte ihn in einem Fernsehinterview als arglos, hilfsbereit und lebensfroh. Nicht nur in geschäftlichen Angelegenheiten sei er sehr gewissenhaft gewesen.

In der Öffentlichkeit war der 40jährige bis zu seiner Entführung am 1. Oktober kaum bekannt. Sein Name tauchte in den Medien nur einmal im Zusammenhang mit der Finanzierung des Offenbacher Musicals "Tommy" auf. In das Musical-Projekt steckte er wahrscheinlich acht Millionen Mark. Als es in Konkurs ging, ließ sich Fiszman über einen Mittelsmann zuerst als Mitgesellschafter eines Auffangunternehmens vorstellen, zog sich dann aber wieder zurück.

Sein auf mehrere hundert Millionen Mark geschätzes Vermögen hat Fiszman unter anderem im Elektronikhandel und mit Immobilien erwirtschaftet. Den Grundstock zum Reichtum legte sein aus Polen stammender Vater einst mit Handelsgeschäften in Osteuropa. Auf diesem Gebiet wurde auch der Sohn mit zwei Firmen in Frankfurt aktiv - der Ost-West-Elektronik GmbH und der Ost-West-Exportcompanie. Vor dem Gebäude, in dem die Exportcompanie ihren Sitz hat, wurde der 40jährige am 1. Oktober überwältigt und verschleppt.

Zum Vermögen des Kaufmanns gehören zahlreiche wertvolle Immobilien, darunter mehrere Bürogebäude in Frankfurt. Fiszman wohnte zurückgezogen mit seiner Lebensgefährtin in Frankfurt. Er war zwar Mitglied der jüdischen Gemeinde in Frankfurt, dort aber nicht aktiv.

Sein Bruder Georg, ein Bauingenieur, der seinen Namen Fischmann schreibt, lebt mit seiner Familie in Köln. Dessen Sohn Peter war 1991 Opfer einer Entführung, wurde aber nach drei Tagen - offiziell ohne Zahlung eines Lösegeldes - freigelassen.


Last edited: jo@rhein-zeitung.de 12.06.1998 06:37