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20. Ironman auf Hawaii

Hellriegel fehlten 119 Sekunden

Erneut Zweiter hinter Belgier van Lierde - Zäck auf Rang elf

Kailua-Kona/München (sid) Als Favorit war er gekommen, als tragische Figur mußte er gehen: Nur 119 Sekunden fehlten Thomas Hellriegel nach über achtstündiger Quälerei beim legendären Ironman auf Hawaii, um als erster Deutscher den berühmtesten Triathlon der Welt zu gewinnen. Hinter dem belgischen Europameister Luc van Lierde blieb dem 25 Jahre alten "Eisenmann" aus Witten wie schon 1995 nur der undankbare zweite Platz. Erst fünf Kilometer vor dem Ziel hängte ihn van Lierde ab - exakt an der Stelle, an der Hellriegel auch 1995 den schon sicher geglaubten Sieg verschenkt hatte.

"Lange habe ich niemanden hinter mir gesehen, dann hat Luc mich überholt. Genau wie Mark Allen im letzten Jahr, genau an der gleichen Stelle. Das war frustrierend. Ich konnte es nicht fassen, da war einer schneller als ich", stammelte Hellriegel enttäuscht. Immerhin bleibt ihm nach 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 42,2 km Laufen ein Preisgeld von umgerechnet 38.000 Mark. Debütant van Lierde erhielt einen Scheck über 53.000 Mark und als Bonus 7.500 Mark für die beste jemals erzielte Zeit.

Van Lierdes 8:04:08 Stunden bedeuteten Streckenrekord. Auch Hellriegel unterbot in 8:06:07 die als unantastbar geltende Marke von Allen aus dem Jahr 1993 (8:07:45). Dritter wurde der Australier Greg Welch. In dem Sechsten Alexander Taubert (Darmstadt) und dem Reutlinger Matthias Klumpp (Rang zehn) kamen zwei weitere Starter der Deutschen Triathlon Union (DTU) in die Top Ten. Weltrekordler Lothar Leder (Darmstadt) enttäuschte hingegen als 18., "Oldie" Jürgen Zäck aus Koblenz verpaßte als Elfter die Preisgeld-Ränge um 37 Sekunden.

Newby-Frasers achter Triumph

Bei den Frauen feierte Paula Newby-Fraser aus Simbabwe bei Temperaturen von 32 Grad Celsius vor 50.000 Zuschauern entlang der Strecke ihren achten Triumph. In 9:06:49 verwies sie Natascha Badman (Schweiz) und Vorjahressiegerin Karen Smyers (USA) auf die Plätze zwei und drei. Ute Mückel (Roth) belegte mit 20 Minuten Rückstand Rang fünf, kassierte 19.000 Mark und bescherte der DTU das beste Frauen-Resultat überhaupt.

Der Wettkampf auf dem Insel-Archipel im Pazifik begann vielversprechend für die DTU-Asse. Rückkehrer Wolfgang Dittrich (Neuss) stieg nach dem Schwimmen als Erster aufs Fahrrad. Bei Kilometer 40 ging Hellriegel in Führung, konnte van Lierde trotz eines Radrekords aber nicht abschütteln. Weil der Belgier bei einem Überholmanöver einen Konkurrenten behindert hatte, mußte er in der Wechselzone zum Laufen eine dreiminütige Zeitstrafe verbüßen.

van Lierde als starker Läufer bekannt

Hellriegel vergrößerte den Vorsprung zwischenzeitlich auf 4:40 Minuten, doch van Lierde (Foto) - als starker Läufer bekannt - kam immer näher heran. "Er ist ein Multi-Talent", lobte Bundestrainer Steffen Große den Mann aus Brügge, der über die Olympische Distanz im Sommer Vizeweltmeister wurde. Als Hellriegel über sich die Hubschrauber der Renn-Kommentatoren kreisen hörte, "wußte ich, daß van Lierde aufgeschlossen hatte".

Auf dem breiten Highway 19 inmitten der schier unendlichen Lavafelder unmittelbar nach dem Energy Lab gingen Hellriegel die Kräfte aus. Das Ziel am Pier von Kona schon vor Augen, mußte der von Krämpfen in beiden Oberschenkeln geplagte Modell-Athlet den Gegner hilflos ziehen lassen. "Ich kann nicht mehr, es geht nicht mehr", rief er Große im Begleitfahrzeug mit schmerzverzerrtem Gesicht zu.

"Ich stehe vor einem Rätsel. Wenn mir das nochmal passiert, kriege ich 'ne Macke. Ich denke, es ist ein mentales Problem, denn körperlich war ich 100prozentig fit", meinte Hellriegel, der 16 Minuten unter seiner Vorjahreszeit blieb. "Es war ein perfektes Rennen. Das Problem war nur: Da war einer, der war schneller. Aber ich komme auf jeden Fall zurück." Sprach's, schnappte sich im Ziel einen Hamburger, trank ein Bier und verschwand auf der Massagebank.
Jörg Kottmeier; Fotos: Reuter/AP


Last edited: jp@rhein-zeitung.de 12.06.1998 06:37