IVWPixel Zählpixel

Schleswig-Holstein will Haschisch-Versuch

Mehrere Möglichkeiten für kontrollierte Abgabe werden geprüft

Kiel (AP) - Das schleswig-holsteinische Sozialministerium prüft mehrere Möglichkeiten, wie Haschisch für einen geplanten Modellversuch zwecks Abgabe in Apotheken legal beschafft werden kann. Gesundheitsministerin Heide Moser korrigierte am Dienstag nachmittag in Kiel die Darstellung eines Mitarbeiters vom Vormittag, nach der die Landesregierung selbst Cannabispflanzen anbauen lassen wollte. Die SPD-Politikerin stellte klar: "Das Land wird nicht Produzent von Cannabisprodukten."

Die Ministerin erklärte, es sei nicht ehrenrührig und müsse erlaubt sein, alle Lösungen für eine legale Beschaffung von Cannabisprodukten im Rahmen des Modellversuchs in Betracht zu ziehen. Drei Alternativen werden nach Angaben der Ministerin geprüft: der Anbau im eigenen Land, wobei aber nicht der Staat als Auftraggeber auftreten soll, der Ankauf aus Ländern, in denen Cannabis legal angebaut werden kann, wie etwa einige US-Staaten, sowie Verwendung beschlagnahmter Rauschgiftmengen, die dazu auf Reinheit geprüft werden müßten.

Die oppositionelle CDU-Landtagsfraktion hatte am Vormittag eine Kostenaufstellung des Landwirtschaftsministeriums für den Anbau von Cannabis in Gewächshäusern in Schleswig-Holstein vorgelegt. Danach sind für das Projekt Personalkosten in Höhe von fast einer Million Mark im Jahr sowie für ein Gewächshaus Sachkosten in Höhe von 420.000 Mark und für eine 2.000 Quadratmeter große Halle 900.000 Mark errechnet worden.

Moser geht es um Prävention und Glaubwürdigkeit

Derzeit wird im Sozialministerium an einem Antrag an das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte gearbeitet, für einen Modellversuch eine legale Abgabe von Cannabis-Produkten zuzulassen. Das Kieler Ministerium war damit 1995 von der Konferenz der deutschen Gesundheitsminister beauftragt worden. Frau Moser kündigte an, in der kommenden Woche werde im Kabinett über den Antrag beraten werden. Der Modellversuch soll fünf Jahre dauern und wissenschaftlich begleitet werden.

Die Diskussion über die Idee von Frau Moser, Haschisch über Apotheken kontrolliert abzugeben, hatte immer wieder für heftige Diskussionen gesorgt. Die Ministerin erklärte am Dienstag, es gehe ihr um einen Beitrag zur Prävention und um Glaubwürdigkeit. Sie wolle die Trennung der Märkte für weiche und harte Drogen. Jugendliche, die die Droge probierten, sollten nicht in ein kriminelles Umfeld geraten.

Nicht risikofrei

Weiter sagte die SPD-Politikerin, es sei wissenschaftlich erwiesen, daß Cannabis in der "stofflichen Gefährlichkeit" hinter dem Alkohol liege, was aber nicht heiße, daß der Genuß von Haschisch risikofrei sei. Die Chancen ihres Antrags schätzte Frau Moser auf 50 zu 50. Es müsse juristisch sehr sorgfältig gearbeitet werden, um die Ablehnung möglichst schwer zu machen, erklärte sie. Dazu gehöre eben auch die Klärung der Frage, wie Cannabisprodukte legal verfügbar gemacht werden könnten.

Last edited: aj@rhein-zeitung.de 12.06.1998 06:36